Der AfD-Bundesvorstand hat sich formal vom Rechtsextremisten Sellner distanziert. Die AfD Brandenburg pfeift drauf und lädt ihn nach Luckenwalde ein. Es ist auch ein Mittelfinger gegen den Bundesvorstand und die Parteispitze um Alice Weidel und Tino Chrupalla. Der Bundesvorstand hatte im Juli vergangenen Jahres dezidiert davor gewarnt, den kleinen, österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner zu Veranstaltungen einzuladen. Auch weil das Bundesverwaltungsgericht unlängst in einem Urteil klargestellt hat, dass Sellners Konzept zur „Remigration“ (sprich rassistische Vertreibungspolitik vermeintlich „nicht assimilierter“ Staatsbürger mit Migrationshintergrund) verfassungswidrig ist. Die Familie Kotré dachte sich wohl: Uns egal und jetzt erst recht. Der Brandenburger Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré und die mit ihm verheiratete Brandenburger Landtagsabgeordnete Lena Kotré haben Sellner nach Luckenwalde eingeladen und wollen mit ihm am nächsten Donnerstag einen Vortragsabend veranstalten. Thema im Wahlkreisbüro des Bundestagsabgeordneten: „Remigration – Theorie und Praxis“. Entsprechend genervt ist man im Bundesvorstand. Offiziell wollten Weidel und Chrupalla sich zwar nicht äußern. Der taz teilte Weidels Sprecher allerdings mit: „Aktuell ist die Landesspitze dabei, sich der Sache anzunehmen“ – man will also Druck ausüben, damit die Veranstaltung wieder abgesagt wird. Der Landesvorsitzende René Springer und die Kotrés antworteten dazu bisher auf taz-Anfrage allerdings nicht. Die AfD Brandenburg, seit ihrer Gründung einer der radikalsten Landesverbände in der ohnehin extrem rechten AfD, hatte schon im vergangenen Jahr gegen den Bundesvorstand in Sachen „Remigration“ und Sellner aufgemuckt. Nach der Empfehlung der Parteispitze, sich von Sellner fernzuhalten, hieß es damals: „Wir machen so weiter wie bisher.“ Und auch Björn Höcke zeigte seinen Mittelfinger, in dem er als Reaktion offensiv mit einem Sellner-Buch posierte und sagte, dass man diesem „Till Eulenspiegel“ nicht in den Rücken fallen dürfe. Offen völkische Gastgeber Die Gastgeber im Wahlkreisbüro sind ebenfalls eingefleischte Rechtsextremisten: Steffen Kotré tritt immer wieder als Putin-Marionette im russischen (und deutschen) Fernsehen auf, und Lena Kotré träumt von einer privaten Abschiebeindustrie, will Flüchtlinge von öffentlichen Veranstaltungen ausschließen und verteilte Nahkampfwaffen als Wahlkampfgeschenke. Enge Verbindungen zu militanteren Rechtsextremen sind bei beiden keine Neuigkeit

via taz: AfD Brandenburg lädt Martin Sellner ein Vortragsabend für Verfassungsfeinde