In Krefeld starben 2019 nach einer Brandstiftung zwei Roma: Verginica und Ioan Frincu. Ermittlungen wurden eingestellt – trotz rechter Verdächtiger. Ioan Frincu soll noch am Fenster der Dachgeschosswohnung um Hilfe geschrien haben, als hinter ihm schon die Flammen loderten. Immer wieder soll der 47-Jährige gerufen und gewunken haben, inmitten schwarzer Rauchwolken, bis er auf einmal verschwand. Als Feuerwehrleute schließlich zur Wohnung vordrangen, konnten sie ihn nur noch tot auf dem Boden hinter dem Fenster auffinden. Neben ihm, auf dem Schlafzimmerbett, lag seine verbrannte Frau, Verginica Frincu. So berichteten es Zeug*innen und Einsatzkräfte nach der verhängnisvollen Nacht vom 12. September 2019 in Krefeld. Um 2.55 Uhr hatten Feuerwehrleute Notrufe erhalten, dass das schmale, dreigeschossige Mietshaus in der Spinnereistraße 25 brenne. In dem Gebäude wohnten vor allem Menschen aus Rumänien, wie in der Nachbarschaft bekannt war. (…) Ein Foto zeigt eine Frau mit langen schwarzen Haaren, der Blick ernst. Auch Ioan Frincu blickt auf einem Bild streng, die Haare kurz, die Schläfen angegraut. Gekommen waren beide aus Lugoj im Westen Rumäniens – nach Deutschland mit der Hoffnung auf ein anständiges, besseres Leben, wie Petrica Frincu sagt: „Doch jemand hat ihre Pläne durchkreuzt und sie auf grausame Weise getötet.“ Ermittlungen schnell eingestellt Bis heute ist unklar, wer dieser jemand ist. Wer für den Tod des Pärchens verantwortlich ist – und aus welchem Motiv. Bruder Petrica Frincu hat einen Verdacht: Dass der Brand ein rassistisches Motiv gehabt haben könnte. „Ich denke leider, dass das der Grund war, denn meine Schwester und mein Schwager waren friedliche Menschen, die von ihrer täglichen Arbeit lebten“, sagt er. Und tatsächlich gerieten schon früh zwei Nachbarn mit rechter Gesinnung in den Fokus der Ermittler. Doch die Polizei stellte die Ermittlungen bereits nach 14 Monaten ergebnislos ein, am 26. Januar 2021. Nun aber, fast fünf Jahre später, unternimmt Petrica Frincu mit seinem Anwalt, dem Berliner Sebastian Scharmer, nochmal einen Anlauf zur Aufklärung. Sie stellten am Wochenende einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens bei der Staatsanwaltschaft Krefeld. Weil bisher nicht alle Hinweise gegen die zwei rechten Tatverdächtigen und andere Personen verfolgt worden seien. Und weil es neue Hinweise gibt, darunter ein anonymes Schreiben, das von einem rechten Täter spricht.
via taz: Zwei tote Roma nach Anschlag in Krefeld Verbrannt und vergessen