Die niedersächsische AfD hat ihre Zentrale mitten aufs Land in die Gemeinde Dötlingen verlegt. Sie hofft, dort den Protesten entkommen zu können. Der AfD-Landesverband Niedersachsen hat seine neue Geschäftsstelle in einem ehemaligen Nazi-Musterdorf eingerichtet – mitten auf dem Land, 130 Kilometer entfernt von der Landeshauptstadt Hannover. „Wir haben in Brettorf die Möglichkeit, Veranstaltungen und Parteitage abzuhalten, was uns Planungssicherheit verschafft“, schreibt Frank Horns, der Pressesprecher des Landesverbandes. Die neue Geschäftsstelle des Landesverbandes dürfte den Mitgliedern bekannt sein. Im Schützenhaus in der Gemeinde Dötlingen, Ortsteil Brettorf, tagte die AfD Niedersachsen schon öfter. (…) In den Räumen hat die AfD schon ihr „1. Sturmfest“ abgehalten. Der Titel spielt auf das Niedersachsenlied an: „Wir sind die Niedersachsen / sturmfest und erdverwachsen“, intoniert nicht zuletzt von Heino. Das Lied von 1926 ist wegen seines Heroismus mit Blutmetaphern nicht jedermanns Sache. Die Gemeinde Dötlingen gestalteten die Nationalsozialisten ab 1936 zu einem ihrer Musterdörfer. Der Titel „Reichsmusterdorf“ wurde verliehen, wenn ein Dorf die „Volksgemeinschaft“ und ländliche Lebensweise vorlebte. Vor Kriegsende mordete die NS-Organisation „Werwolf“ im Dorf. Noch steht das Haus der Hitlerjugend mitten im Ort. Eine Landesgeschäftsstelle auf dem Land hat zwar den Nachteil, dass die Landtagsabgeordneten und deren Mitarbeitende oder Leute von der Fangemeinde nicht mal eben bei der Partei vorbeischauen können. Dafür ermöglicht es der Schützenhof mit seinem Saal, Parteiveranstaltungen ungestört von Protesten ausrichten zu können. Zivilgesellschaftliche Interventionen hatten immer wieder dazu geführt, dass Vermieter bereits geschlossene Verträge für AfD-Veranstaltungen auflösten.

via taz: AfD verlegt Geschäftsstelle aufs Land Flucht ins ehemalige NS-Musterdorf