Auf einem Datingportal suchen Rechtsextreme Partnerschaften: weiß, gute Gene, zum Erhalt der Blutlinie. Doch die deutsche Betreiberin verfolgt noch weitreichendere Ziele. Quarkente, 33, aus Hamburg sucht “einen gestandenen Mann”, mit dem sie Deutschland stärken kann. Vielleicht wäre ja Ludendorf etwas für sie: Er sei ein “Trainierter Mitt DreiSSiger” und “sucht ein traditionelles Mädel”, schreibt er in seinem Profil. Oder vielleicht doch eher Nutzer Feldsteher, der von sich sagt, er stamme aus einer “bodenständigen, traditionsbewussten Familie”? Auch der Mann mit dem Profil Wald käme eventuell infrage, ein 23-jähriger blonder Norddeutscher. Als Interesse gibt er an: Faschismus. Andere Mitglieder der Datingplattform, auf der Quarkente aktiv ist, werben mit ihren blauen Augen, ihrer Liebe zu “Kultur und Tradition” oder einfach ihren “guten Genen”. Ulli, 33, aus Berlin, beschreibt sich als “arischen Mann”, der eine Hausfrau suche, um eine kinderreiche Familie zu gründen. Andere Männer suchen weiße Frauen, damit ihre “Blutlinie nicht in der Vermischung erlischt” oder beschreiben sich als “NSler (…), der gern in die Sauna geht”. NS steht für Nationalsozialismus. Die Zitate stammen von echten Profilseiten deutscher Mitglieder der Partnerbörse WhiteDate.net, einem Portal, das sich exklusiv an sogenannte “weiße” Menschen richtet. Rassismus und Antisemitismus sind hier fast überall zu finden: in den Selbstbeschreibungen der Kunden, in den Diskussionsgruppen, die das Portal bereithält, sowie auf den Social-Media-Kanälen des Angebots. Fast 8.000 Menschen aus der ganzen Welt suchen auf diesem Parship für Rechtsextreme nach der Liebe. Die Informationen stammen aus einem Leak, das der ZEIT vorliegt. Nach Prüfung und Auswertung dieser Daten geben aktuell 684 Mitglieder an, aus Deutschland zu stammen. Unter ihnen sind AfD-Politiker, Abtreibungsgegner, Neonazis und die Bewohnerin eines Bauernhofs der rechtsesoterischen Anastasia-Bewegung. Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen berichtete bereits 2019 über das Datingportal und ordnete es als “Extremismus im digitalen Raum” ein. Das war zwei Jahre nach der Gründung der Webseite. Seitdem steht das Angebot illegalerweise ohne Impressum im Netz und wird über eine Firma in Paris betrieben. Recherchen der ZEIT haben ergeben, dass die Betreiberin eine Deutsche ist, die in der Nähe von Kiel lebt.    Ihr Name ist Christiane H., sie stammt aus Schleswig-Holstein und tritt unter dem Pseudonym “Liv Heide” in rechtsextremen Szenemedien auf. Die 57-Jährige wähnte sich 2022 in einem YouTube-Interview mit einem Neonazi im “Rassenkrieg” und hält Kontakte in die Neonazi- und Holocaustleugnerszene – und zur völkischen Sekte der Ludendorffer

via zeit: WhiteDate: Dinkel88 sucht nach Liebe

siehe auch: Singlebörse für Rechtsextreme:Wenn nur die reine Liebe zählt. Ein Datingportal für weisse Rechte verbindet völkische Ideologie und antisemitische Verschwörungsmythen mit der Suche nach der perfekten Beziehung. (…) Die Zitate stammen aus Profilseiten von Schweizer Mitgliedern der Partnerbörse whitedate.net, eines Portals exklusiv für Weisse. Zugang dazu haben eigentlich nur verifizierte Mitglieder, doch ein Datenleak, das die WOZ und die deutsche Wochenpublikation «Die Zeit» einsehen konnten, legt viele sensible Daten des Netzwerks offen. Fast 8000 Menschen auf der ganzen Welt suchen auf diesem «Parship für Rechtsextreme» nach der Liebe. 39 davon geben an, in der Schweiz zu leben, 684 in Deutschland. Dort beschrieb der Verfassungsschutz bereits 2019 – zwei Jahre nach der Gründung der Site – das Portal als «Extremismus im digitalen Raum». Das Prinzip: Weisse sollen andere Weisse kennenlernen, um im besten Fall weisse Kinder zu zeugen. Oder in den Worten von Plattformbetreiberin Christiane H.: Ziel sei es, «die exklusiv weisse Gemeinschaft wieder aufleben zu lassen», um den «weissen Völkermord» zu verhindern. (…) Der Datingaspekt sei nur ein Feature auf der Website, sagt sie in einem Youtube-Interview. Der eigentliche Kern des Portals sei die Gruppenfunktion. Darüber vernetzen sich die Mitglieder miteinander, diskutieren über Kirche, Permakultur oder die besten Grossstädte für Konservative, aber auch über den Aufbau «weisser Gemeinschaften» zur Vorbereitung auf einen kommenden «Rassenkrieg». 2019 sagte Christiane H. in einem rechtsextremen Podcast zum Ziel der Vernetzung: «Wir müssen uns organisieren im privaten Bereich», «weltweit kleine Zellen aufbauen». Diese Zellen müsse man dann auch verteidigen. Für Rechtsextreme stand lange der Kampf für die eigene Nation im Mittelpunkt. Aber seit einigen Jahren ist eine Veränderung zu beobachten: Länderübergreifend vereinigen sie sich zu einer «braunen Internationale». Der Verschwörungsglaube, gemeinsam die «weisse Rasse» zu verteidigen, auch über Nationalstaatsgrenzen hinweg, schweisst sie zusammen. Feminismus, Judentum, Homosexualität, Linke oder George Soros seien demnach schuld am Verschwinden der Weissen. Diese Feinde seien global, darum müsse man sie auch global bekämpfen. Eine Wahnidee, mit der Neonazis überall etwas anfangen können. (…) Auch offline sucht Christiane H. den Kontakt zur extremen Rechten. Nach Informationen von «Zeit» und WOZ besuchte sie Veranstaltungen des Bunds für Deutsche Gotterkenntnis Ludendorff. Die völkische Gruppierung wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Benannt nach Erich Ludendorff, massgeblich Beteiligter am Hitler-Putsch von 1923, stützt sich die Gruppe auf dessen völkische Ideologie und Esoterik. Unterstützt wird H. auch von bekannten Neonazis wie dem Musiker Frank Kraemer, der 2016 mit seiner Rechtsrockband Stahlgewitter vor 5000 Rechtsextremen im sankt-gallischen Unterwasser auftrat und seinen Youtube-Kanal zum Bewerben von «White Date» nutzt. Oder dem einschlägig bekannten Schweizer Holocaustleugner und Gründer der rechtsextremen Europäischen Aktion, Bernhard Schaub. Auf ihrer Website verlinkt H. zum Versandhandel Der Schelm, der nationalsozialistische und antisemitische Literatur vertreibt. Christiane H. betreibt neben «White Date» auch zwei weitere Seiten: die Adoptionsplattform «White Child» für weisse Kinder und Samenspender und «White Deal», eine Plattform, die Firmen weisse Mitarbeiter:innen vermitteln soll. Sie selbst scheint es mit diesem Credo jedoch nicht so genau zu nehmen: Programmiert werden all ihre Websites nach Informationen von WOZ und «Zeit» von einem indischen IT-Fachmann, die Buchhaltung führt ein Mitarbeiter in Madagaskar.

siehe dazu auch: Ein Traum von einem Tradwife. Antifas haben unter der Domain okstupid.lol ihre 1,7 GB Datenbeute der internationalen Naziflirtseite WhiteDate.net veröffentlicht: als Kartoffelkarte, als Suchseite und zum Download. Die Nazis wurden dabei zu Versuchsopfern in einem zutiefst unethischen Flirtexperiment: sie wurden monatelang von KI-Bots getrollt, von perfekten Tradwifes. Zu den faschistischen Flirtopfern gehören auch Nazis wie Patrick Schröder alias „NoSurrender“. Seine denglische Liebeserklärung an das Naziportal ist einfach nur cringe: „Because you are the only exclusive website. its much more difficult to find someone in mainstream-portals, but its also not impossible.“