In Murcia jagt ein rassistischer Mob Migrantinnen durch einen kleinen Ort. Aufgehetzt von der rechten Vox, aber auch die Konservativen machen mit. Torre-Pacheco kommt nicht zur Ruhe. Seit vergangenen Freitag erlebt der 40.000 Einwohner zählende Ort nahe der spanischen Mittelmeerstadt Murcia, gewalttätige Übergriffe auf Immigranten aus Nordafrika und deren Nachfahren. In sozialen Netzwerken wird zur regelrechten Jagd auf Einwanderer aufgerufen. Fast ein Drittel der Bevölkerung von Torre-Pacheco ist ausländischer Abstammung, etwa doppelt so viele wie im landesweiten Durchschnitt. Viele arbeiten in der Landwirtschaft und gehören zur zweiten oder gar dritten Generation und haben damit längst die spanische Staatsangehörigkeit. Mehrere durch Schläge und Steinwürfe Verletze und acht Verhaftete lautet die bisherige Bilanz. Neben 75 Beamten der Lokalpolizei hat die Regierung in Madrid mittlerweile mehrere Dutzende Beamte von Sondereinsatzeinheiten der Nationalpolizei in den Ort geschickt. Alles begann am vergangenen Mittwoch. Domingo, ein 68-jähriger Bewohner von Torre-Pacheco, wurde von einer Gruppe Jugendlicher verprügelt. Das Foto, das den Mann mit blutverschmiertem und entstelltem Gesicht zeigt, ging schnell viral. Während die Ermittlungsbehörden noch immer untersuchen, wer die Täter sind, war für viele im Ort klar, es können nur Immigranten gewesen sein. Die sogenannte Einwanderer-Kriminalität Eine Handvoll marokkanischer Jugendlicher hätten Domingo verprügelt, um das Video davon online zu stellen. Ein 25-sekündiges Video machte die Runde. Es zeigte, wie ein weißhaarigen Mann von jemandem geschlagen wird, der einen ausländischen Akzent hat. Es handle sich um den Überfall auf Domingo, hieß es, obwohl der selbst erklärt hatte, dass das Video nicht ihn zeige. Rechtsextreme Jugendbanden – meist von außerhalb – riefen per Messengerdienst Telegram dazu auf, sich einer von der Gemeindeverwaltung für Freitag angesetzten Solidaritätskundgebung mit dem Verprügelten anzuschließen. Es kam zur ersten Nacht mit gewalttätigen Ausschreitungen und Jagd auf Immigranten. Die Polizei war völlig überfordert. Seither wiederholen sich die Gewaltszenen Abend für Abend. Auch ein Polizeiaufgebot, wie ihn der Ort nie gesehen hat, konnte die Lage bisher nicht beruhigen. (…) Spaniens Innenminister, der parteilose Fernando Grande-Marlaska, sieht „organisierte Banden“ hinter den rassistischen Ausschreitungen. Die Gewalt sei „die Schuld von VOX und ihrem Diskurs“. Anders als die Rechte behauptet, gebe es „keinen Zusammenhang zwischen Einwanderung und Kriminalität“, beteuert der Ex-Richter. Währenddessen gießt VOX weiter Öl ins Feuer. Der Chef des regionalen Verbands, José Ángel Antelo, nahm am Samstag an einer Veranstaltung mit dem Motto „Wehrt euch gegen Unsicherheit“ teil. Dabei konstruierte er erneut eine Verbindung zwischen Einwanderung und Kriminalität. „Wir wollen solche Leute nicht auf unseren Straßen und in unserem Land. Wir werden sie alle abschieben: Keiner wird bleiben“, erklärte er.

via taz: Rassistische Ausschreitungen in Spanien Rechtes Werk und konservativer Beitrag