Mehr als 3.000 antimuslimische Vorfälle hat die Organisation Claim vergangenes Jahr erfasst. Bei Gewalttaten sei “zunehmende Enthemmung und Brutalität” zu verzeichnen. Die Zahl antimuslimischer Vorfälle in Deutschland hat im vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht. Das ist das Ergebnis einer Erfassung der Organisation Claim. Demnach ist die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent auf 3.080 Fälle angestiegen. Zunahmen gab es auch bei Gewaltdelikten, häufig betroffen waren Frauen. Der Großteil der erfassten Vorfälle fällt mit mehr als 55 Prozent demnach unter verbale Angriffe. 1.558 solcher Fälle registrierte Claim. Weiter wurden 659 Fälle von Diskriminierungen und 585 dokumentierte Gewaltfälle erfasst. In 278 Fällen gab es keine Angaben zu der Art des Vorfalls. “Die Jahresbilanz 2024 zeigt, dass antimuslimischer Rassismus in Deutschland in allen gesellschaftlichen Bereichen weit verbreitet und für viele Menschen in Deutschland Alltag ist” (…) Die tatsächliche Religionszugehörigkeit der Opfer spielt Claim zufolge bei antimuslimischem Rassismus oft nur eine untergeordnete Rolle. “Die Fälle zeigen, dass Menschen antimuslimischen Rassismus aufgrund des Namens, des Aussehens oder der Sprache erfahren – unabhängig davon, ob eine Religionszugehörigkeit besteht”, schreiben die Autoren.
via zeit: Antimuslimischer Rassismus: Zahl antimuslimischer Vorfälle steigt auf Höchststand
siehe auch: Antimuslimischer Rassismus trifft Frauen besonders stark. Seit dem Angriff der Hamas auf Israel ist die Zahl der antimuslimischen Vorfälle in Deutschland in die Höhe geschnellt. In rund 70 Prozent der Vorfälle waren Frauen die Zielscheibe. Islamfeindlichkeit werde zu einer alltäglichen Erfahrung. Die Zahl antimuslimischer Vorfälle in Deutschland hat 2024 einen neuen Höchststand erreicht. Das geht aus dem “zivilgesellschaftlichen Lagebild antimuslimischer Rassismus” der Organisation Claim hervor, die vom Bildungs- und Familienministerium sowie vom Innenministerium gefördert wird. So wurden im vergangenen Jahr 3.080 Übergriffe und Diskriminierungen dokumentiert – ein deutlicher Anstieg um 60 Prozent im Vergleich zu 2023. Damals waren 1.926 Fälle gezählt worden. Im vergangenen Jahr gab es damit den Angaben zufolge im Durchschnitt mehr als acht Vorfälle pro Tag. Zwar stieg auch die Zahl der teilnehmenden Beratungsstellen von 17 auf 26. Doch die Dunkelziffer sei hoch: “Aufgrund fehlender Beratungs- und Meldestrukturen, fehlenden Vertrauens von Betroffenen oder auch fehlender Expertise, antimuslimischen Rassismus zu erkennen, ist insgesamt von einer gravierenden Dunkelziffer antimuslimischer Vorfälle auszugehen”, schreiben die Autoren der Studie. Es würden also nicht alle antimuslimischen Straftaten als solche erkannt und gar nicht erst zur Anzeige gebracht, “weil Betroffene kein Vertrauen in Behörden haben und Angst haben, nicht ernst genommen werden zu werden”, so die Studie. “Erleben eine neuen Eskalationsstufe” – zunehmende Brutalität und Enthemmung Verbale Angriffe machten mit knapp 56 Prozent den größten Anteil der dokumentierten Fälle aus. Etwa jede zweite muslimische Person berichtet bundesweit von rassistischer Diskriminierung bei Behördengängen. 39 Prozent der muslimischen Männer erleben rassistische Diskriminierung bei der Polizei. “Wir erleben in Deutschland eine neue Eskalationsstufe antimuslimischer Gewalt, Diskriminierung und Ausgrenzung”, erklärte Claim-Ko-Geschäftsführerin Rima Hanano. Es gebe “nicht nur einen massiven Anstieg, sondern auch eine neue Qualität von antimuslimischem Rassismus in Form einer zunehmenden Normalisierung, Enthemmung und Brutalität”.
