Die Verhaftung der teils sehr jungen Mitglieder der „Letzten Verteidigungswelle“ wirft ein Schlaglicht auf die Rückkehr gewaltbereiter Neonazis. Der engagierte Pfarrer Lukas Pellio sieht den Aufstieg der AfD als einen Grund dafür. Und ein Bürgermeister resigniert. Die Ruine des abgebrannten Kulturhauses „Kultberg” in Altdöbern wird demnächst abgerissen. Die Gemeinde hat das Geld für die Beseitigung zusammen bekommen. Der Schandfleck verschwindet. Auch die Betreiber des Lokals, das im Oktober von einem erst 14 Jahre alten mutmaßlichen Rechtsterroristen aus dem Ort in Brand gesteckt wurde, verlassen das 2300-Einwohner-Städtchen, sie sollen eine Gaststätte in einer Großstadt übernehmen können. „Das ist eine Katastrophe, in so einem beschaulichen Ort”, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister Peter Winzer über das Feuer und die Festnahmen zweier Jugendlicher aus dem Ort. Der 74-jährige Sozialdemokrat ist schockiert, vor allem ist er hilflos. Die Stimmung im Ort werde immer schlechter, immer aggressiver, sagt er. „Und dass wir eine rechtsextreme Szene haben, das haben wir bei den Wahlen bemerkt.“ 40 Prozent gaben bei Landtags- und Bundestagswahl ihre Stimmen der AfD. Nach der Razzia der Bundesanwaltschaft gegen die mutmaßlichen Jung-Rechtsextremen der „Letzten Verteidigungswelle“ schaut das ganze Land verwundert auf ein nur scheinbar neues Phänomen: Jugendliche und Heranwachsende, die sich in sehr jungen Jahren rechtsextrem radikalisieren, in den sozialen Netzwerken vernetzt sind und ihre Gewalt auf die Straße tragen. Für Pfarrer Lukas Pellio aus Cottbus aber kommt diese Entwicklung nicht überraschend. „Es treten immer mehr extrem junge Neonazis im öffentlichen Raum in Südbrandenburg auf“, sagt der Kirchenmann, der sich auch im Bündnis „Unteilbar Südbrandenburg” organisiert. „Sie werden erkennbarer, sie verstecken sich nicht mehr, und sie sind auf Aktionen aus.“ Pellio engagiert sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus in der AfD-Hochburg Südbrandenburg. Er bekam einen Preis für Zivilcourage, und er hat seine eigenen Erfahrungen mit rechtsextremen Einschüchterungsversuchen gemacht: Als er noch Pfarrer in Spremberg war, hisste er die Regenbogenfahne an der evangelischen Kirche. Nachts flog ein Molotowcocktail gegen den Glockenturm. Inzwischen ist Pellio Studierendenpfarrer in Cottbus.

via rnd: Immer sichtbarer, immer gewalttätiger Pfarrer über die neue rechte Gewalt: „Sie verstecken sich nicht mehr – und sie sind auf Aktionen aus“