Recherchen von STANDARD, “Spiegel” und MDR zeigen: Die mutmaßlichen Rechtsterroristen der “Sächsischen Separatisten” trafen auch Ex-Vapo-Chef Gottfried Küssel. Paramilitärische Übungen im Wald, verschwörerisches Verhalten, Rekrutieren junger Burschen und krasser Antisemitismus: All das beschreibt nicht nur die mutmaßliche Neonazi-Bande der “Sächsischen Separatisten”, sondern auch die “Vapo”, die volkstreue außerparlamentarische Opposition. Sie galt in den 1990er-Jahren als größte und gefährlichste österreichische Neonazigruppe. Die “Sächsischen Separatisten” wiederum wurden im vergangenen November von den deutschen, österreichischen und polnischen Sicherheitsbehörden ausgehoben. Sie sollen geplant haben, in Deutschland ein am Nationalsozialismus orientiertes Gesellschaftssystem zu errichten, so der Vorwurf der deutschen Bundesanwaltschaft. Recherchen zeigen nun, wie eng die personellen Verbindungen zwischen der alten Vapo-Generation und der “Sächsischen Separatisten” sind. Eine besondere Rolle dabei spielt die Familie Schimanek aus Niederösterreich. Der 1963 geborene Hans Jörg Schimanek war einst “Wehrsportchef” der Vapo. Er zeigte Kameraden, wie man anderen die Kehle durchschneidet, und geriet wegen Waffendeals in juristische Probleme. 1995 wurde ein Urteil wegen Wiederbetätigung rechtskräftig. Nach seiner Haft wanderte Schimanek nach Ostdeutschland aus. Dort soll vor allem sein Sohn Jörg Schimanek ab 2022 in die Fußstapfen des Vaters getreten sein. Er gilt als “Rädelsführer” der “Sächsischen Separatisten”. Mit seinem Bruder Jörn und sechs weiteren Mitgliedern der Gruppe sitzt er seit November in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen liegen beim Generalbundesanwalt in Karlsruhe. Am 5. Mai, also sechs Monate nach der Inhaftierung der acht Männer, muss der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofes über die Verlängerung der Untersuchungshaft entscheiden. Hans Jörg Schimanek gelte seinen Söhnen als ideologisches Vorbild, heißt es in Ermittlungsakten. Und: Aufgrund seiner nach wie vor starken Verbindung nach Österreich sei anzunehmen, dass er sein Netzwerk in rechtsextremen Kreisen nutzt und dieses bei Bedarf auch seinen Söhnen und ihrer Gruppierung zur Verfügung stellt. Sohn Jörg spielt darauf auch in Nachrichten an Gesinnungskameraden an. Ein Beispiel dafür ist der Kontakt zum einstigen Vapo-Chef Gottfried Küssel: Ihn traf erst im August 2023 die jüngste Generation der Schimaneks gemeinsam mit deren Mutter Jana Schimanek in Wien, wie Recherchen von STANDARD, Spiegel und MDR zeigen. Küssel galt lange als Schlüsselfigur der Neonazi-Szene in Österreich und wurde bereits mehrmals einschlägig verurteilt. Zuletzt trat er im Zuge der Proteste gegen die Corona-Maßnahmen in Erscheinung. Was bei dem Treffen zwischen Küssel und den Schimaneks besprochen wurde, ist nicht bekannt. Auf Anfrage wollte sich Küssel über seinen Anwalt Martin Dohr nicht äußern.
via standard: Wie die jungen Schimaneks das Werk der alten Vapo-Neonazis fortführen