Mit Mitte 30 steht Jan Nolte aus dem nordhessischen Frankenberg vor seinem dritten Einzug in den Bundestag. Auf Fragen zur Lösung von Deutschlands Problemen gibt der AfD-Abgeordnete im Grunde immer die gleiche Antwort. Draußen stehen rund 9.000 Menschen, demonstrieren gegen die AfD-Wahlkampfveranstaltung in Neu-Isenburg (Offenbach) Anfang Februar, rufen “Nazis raus!”. Drinnen in der Hugenottenhalle steht einer der Angesprochenen und verzieht das einzige Mal während des 20-minütigen Gesprächs eine Miene. Die Frage war: Im Falle einer Regierungsbeteiligung müsste die AfD ihre Komfortzone in der Opposition mal verlassen und erklären, wohin sie all die ausreisepflichtigen oder auch nur asylsuchenden Migranten bringen will, die aus ihrer Sicht all die Probleme in Deutschland verursachen – wo sollen sie hin? (…) Bei der Hessen-Wahl 2023 wurde sie zweitstärkste Kraft, bei der Bundestagswahl am 23. Februar ist das ebenfalls zu erwarten. Dennoch pflegt die Partei weiterhin ihr Opfer-Image, während sie unablässig alle anderen verächtlich behandelt und niedermacht. Zur Not Migranten an Drittstaaten abgeben Eine Antwort auf die oben erwähnte Frage hat Nolte auch. Er sagt: Erst mal alle Grenzen schließen, die Zahl der Plätze in der Abschiebehaft erhöhen, die Bundeswehr bei Abschiebungen einsetzen, Anwälte sollen Abzuschiebende nicht mehr warnen dürfen. Wo sollen die Menschen hin? Am besten in die Heimatländer, sagt Nolte. Falls die sie nicht aufnehmen wollen, müsse Deutschland Druck auf sie ausüben, so wie Trump. (…) Jan Nolte saß zuletzt im Verteidigungsausschuss des Bundestags. Er stellt klar, dass er Putins Regime für den Verantwortlichen dieses Krieges halte. Andererseits gibt er kremlnahen Zeitungen gerne Interviews. Und er wünscht sich, wie so viele in seiner Partei, wieder ein anderes Verhältnis zu Russland. Schon allein, weil Deutschland billiges Erdgas von dort beziehen müsse, wie früher, anders komme die deutsche Wirtschaft nun mal nicht ins Laufen, glaubt er. Weg zur teils offen rechtsextremen Partei mitgegangen “Deutschland wieder stolz machen!” Das ruft Nolte später bei seiner kurzen Rede in der Hugenottenhalle, um die Menge vor dem Auftritt von Parteichefin Alice Weidel scharf zu machen. Was immer das heißen soll. “Wir holen uns unser Land zurück”, sagt er auch. Von wem, kann sich jeder in der Halle selbst denken: von den Ausländern, von den regierenden Politikern, von der EU, von der Deutschland überaus profitiert. Je länger Nolte redet, desto rechter klingt er. (…) Nolte beschäftigte in seiner ersten Zeit als Bundestagsabgeordneter als persönlichen Referenten einen Bundeswehrsoldaten, den der Militärische Abschirmdienst als rechtsextrem einstufte. Seine Frau Katrin Nolte arbeitete für das Compact-Magazin des neu-rechten Vordenkers Jürgen Elsässer und ist nun beim ähnlich gestrickten Deutschland-Kurier. Nolte selbst führte etliche Jahre den hessischen Landesverband der Jungen Alternative, den der Verfassungsschutz als “gesichert extremistisch” und demokratiefeindlich einstuft. Er redet so gerade und scharf, wie er seinen Scheitel gezogen hat. Ein Posterboy der extremen Rechten.

via hessenschau: AfD-Spitzenkandidat Jan Nolte Posterboy der extremen Rechten