Eine Munitionsaffäre bei der sächsischen Polizei hat Politikern und Beamten den Job gekostet. Jetzt stellt sich heraus: Die Dimension des Skandals ist um ein Vielfaches größer. Nach acht Monaten ist immer noch unklar, was mit 180.000 Schuss Munition passiert ist. Die geheimen Schattenmänner im Dienst des Freistaats Sachsen griffen ins Volle. 7000 Schuss Munition für Kurz- und Langwaffen schleppten die Beamten des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) heimlich aus der Waffenkammer des Dresdner Landeskriminalamts (LKA) in ihre Zivilautos mit getarnten Nummernschildern. Ziel der illegalen Kommandoaktion, so die Staatsanwaltschaft später, war eine Schießanlage in Mecklenburg-Vorpommern. Der Platzbetreiber, der zeitweise vom Verfassungsschutz der rechtsradikalen paramilitärischen Gruppe „Nordkreuz“ zugeordnet wurde, nahm laut Ermittlungen das schwere Munitionspaket als rein private Bezahlung für die Nutzung der gesamten Trainingsanlage in Empfang. Anschließend konnten die MEK-Spezialisten aus Pistolen, Maschinenpistolen und Sturmgewehren alle Restbestände verfeuern, die sie in den vergangenen Wochen offiziell von ihrer Dienststelle erhalten hatten. Der Diebstahl von 7000 Schuss Munition, begangen durch 17 Beamte der Spezialeinheit, blieb unbemerkt. (…) Bei der sächsischen Polizei, insbesondere im Bereich der Polizeihochschule in Rothenburg, ist nach Informationen von FOCUS online womöglich die gigantische Menge von 180.000 Schuss Munition verschwunden. Innenminister Armin Schuster (CDU), der früher als Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenschutz wegen des Hochwassers an der Ahr teils scharf kritisiert wurde, soll entsetzt sein. Einen Skandal um Munitionsverluste kannte er bislang nur aus der Amtszeit seines Vorgängers Roland Wöller. Ihn hatte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) vor Ablauf der Untersuchungen und auf enormen Druck der Polizeigewerkschaften gefeuert. Die Menge der vermissten Munition wiegt nach Berechnung eines von FOCUS online beauftragten Waffenexperten zirka 2,34 Tonnen und kostet im Einkauf rund 41.000 Euro. Vermisst wird offenbar Munition für Pistolen (6 und 9 mm), für Maschinenpistolen und Sturmgewehre.
via focus: Noch mehr Polizei-Munition in Sachsen verschwunden? Die Aufklärung bleibt aus