In Rumänien hat die extreme Rechte bei Wahlen zunehmend Erfolg. Die Journalistin Adina Marincea klärt über die Szene auf – und wird bedroht und diffamiert. Wenn Adina Marincea in Bukarest durch die Straßen schlendert, kann sie nicht mehr übersehen, dass sie Feinde hat. Oder vielmehr: dass Nationalist*innen sie als ihre Feindin auserkoren haben – für ihre Arbeit als Journalistin, als Wissenschaftlerin und als emanzipierte Frau. In einer Seitenstraße, unweit der belebten Altstadt von Rumäniens Hauptstadt, zeugt davon ein Graffiti. „Ana Pauker ist nicht gestorben, sie hat sich als Adina geschminkt“, steht dort auf Rumänisch in schwarzen Lettern an einer Hauswand, gefolgt von einem Keltenkreuz, einem Erkennungszeichen der faschistischen Szene. Das Graffiti ist eine sexistisch, antisemitisch und antikommunistisch konnotierte Diffamierung der Journalistin Marincea – in Rumänien ist das durch den Verweis auf Ana Pauker verständlich. Pauker war Jüdin, Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei, von 1947 bis 1952 Außenministerin Rumäniens – und eine Frau. Sie verkörpert für die Ultrarechten somit gleich dreifach das Übel der Moderne. Der Spruch, der Marincea mit ihr in Verbindung bringt, ist mittlerweile teilweise übermalt, die eigentliche Botschaft darunter aber noch zu erkennen. Die beschmierte Hauswand zeugt in der analogen Welt von einer Hetzkampagne, mit der Marincea seit knapp drei Jahren vor allem digital überschüttet wird. (…) Nationalist*innen greifen Veranstaltungen der LGBTQI-Szene an, die in Bukarest stark und präsent ist, sie agitieren gegen die Westbindung in EU und Nato und leugnen Rumäniens Holocaust während der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Sie kämpfen für Gott und Großrumänien, ihre Leitbilder sind die traditionelle Familie und die faschistische Legionärsbewegung aus vergangener Zeit. Das zeigt sich überall im Bukarester Straßenbild. An Laternenpfählen erklären Sticker „Bessarabien“ zu einem Teil Rumäniens, jenen Landstrich also, der heute in der Republik Moldau und der Ukraine liegt. Daneben werben Aufkleber für neofaschistische Organisationen, mit durchgestrichenen Antifa-Zeichen oder antikommunistischen Symbolen. An Häuserwänden präsentiert sich Antisemitismus: Die Plakate, die an die israelischen Geiseln der Hamas erinnern sollen, sind fast alle zerrissen und mit rechtsextremen Emblemen verunstaltet.
via taz: Rechtsextremismus in Rumänien Im Visier der Nationalisten