Im Frankfurter Reichsbürger-Prozess wird die Birgit Malsack-Winkemann befragt. Sie spricht von Aliens, Geheimarmeen – und streitet die Vorwürfe ab. Birgit Malsack-Winkemann hatte keine Angst vor Außerirdischen. Und sie, die einmal für die AfD im Bundestag saß, Richterin war und jetzt als mutmaßliches Mitglied der Reichsbürger-Verschwörung um Heinrich XIII. Prinz Reuß vor Gericht steht, ist noch immer ziemlich stolz darauf. „Ich habe gesagt“, brüstet sich die 60-Jährige am Dienstag im Frankfurter Oberlandesgericht, „ich hätte kein Problem damit, wenn die herkommen. Weil wir hier alle eine reine Seele haben.“ Das mit der reinen Seele sieht zumindest die Bundesanwaltschaft ganz anders. Sie hat Reuß, Malsack-Winkemann und 24 weitere Männer und Frauen wegen Terrorismus und Hochverrats angeklagt, weil sie einen bewaffneten Umsturz in Deutschland vorbereitet haben sollen. Seit rund einem halben Jahr wird parallel in Frankfurt, München und Stuttgart verhandelt. Geschlagene sechs Tage lang hat sich die AfD-Politikerin im Sommer zu den Anklagevorwürfen geäußert und alles als „Ammenmärchen“ zurückgewiesen. Jetzt beantwortete sie Nachfragen, noch einmal vier Tage lang. Die Widersprüche wurden dabei nicht weniger. Malsack-Winkemann beteuert, dass sie und ihre Mitangeklagten niemals selbst Gewalt hätten anwenden wollen. Das sei allein Aufgabe der „Allianz“ gewesen – einer vom antisemitischen QAnon-Verschwörungsglauben herbeifabulierten Geheimarmee unter russischer, amerikanischer oder auch außerirdischer Führung, deren Einmarsch die Angeklagten offenbar ernsthaft erwarteten. Und mit der sie deshalb Kontakt gesucht hätten. Aber ein Putsch? I wo. Desinformation und Verschwörungsgeraune Von den bewaffneten „Heimatschutzkompanien“, mit deren Aufbau die Vereinigung laut Anklage bereits begonnen hatte, will Malsack-Winkemann nichts gewusst haben. Für Reuß, sagt sie, habe alles streng „nach Recht und Gesetz“ ablaufen sollen. Senatsvorsitzender Jürgen Bonk will das genauer wissen: Von welchem Recht der Prinz denn ausgegangen sei? „Ich habe das nicht im Einzelnen hinterfragt“, antwortet die promovierte Juristin und wird plötzlich ungewöhnlich schmallippig.

via taz: Prozess gegen Reichsbürger um Prinz Reuß AfD-Politikerin versucht sich in Selbstverharmlosung