Es ist eine Idee, die einem die Zornesröte ins Gesicht treibt. Ausgerechnet am 9. November, dem Datum der Reichspogromnacht, plant die zumindest in großen Teilen rechtsextreme AfD einen Infostand mit Glühwein und Würstchen auf dem Danziger Platz in Landau. Danzig ist die Stadt, von der aus die Nazis mit dem Angriff auf ein polnisches Munitionsdepot auf der Westerplatte den Zweiten Weltkrieg starteten. Man könne Tag und Ort – auch in Kombination – für Absicht halten, sagt Ordnungsdezernent Lukas Hartmann. Er jedenfalls tue das. Und weil er befürchtet, dass er oder die Mitarbeitenden der Stadt gefragt werden könnten, warum sie das zulassen, geht er in die Offensive und weist aktiv auf den Termin hin, den die Partei beim Ordnungsamt angemeldet hat. Die AfD sei keine verbotene Partei, auch wenn es seiner Ansicht nach ausreichend Gründe gebe, ein Verbotsverfahren zu starten. Aber: Die AfD dürfe für ihr Programm werben. Auch wenn zu dem Programm unter anderem gehöre, zehn Millionen Deutsche des Landes zu verweisen, das Sozialsystem zu demontieren und das Land an Russland zu verkaufen. Trotz allem: Man habe rechtlich schlicht keine Möglichkeit, den Infostand zu verhindern. Und an Recht und Gesetz müsse sich die Verwaltung halten.

via rheinpfalz: AfD-Infostand am Tag der Reichspogromnacht auf Danziger Platz?

siehe dazu auch: HOLOCAUST IN LANDAU Tod und Vertreibung. Am Abend des 9. November 1938 brennt die Synagoge in LandauFoto: Stadtarchiv Landau hochgeladen von Roland Kohls Jüdisches Leben. Bereits vor der Pogromnacht floh die Hälfte der jüdischen Bürger aus Landau. Nach den Gewaltexzessen dieser Nacht wurden fast alle vertrieben. Wer dann noch da war, wurde im Oktober 1940 nach Gurs verschleppt. Viele fanden dort oder später in den Vernichtungslagern der Nazis den Tod. Das Haus der SA lag unweit der Landauer Synagoge. Nachdem der Befehl von der Gestapo aus Neustadt am Abend des 9. November 1938 kam, lief ein SA-Trupp zur Synagoge, besorgte sich an der gegenüberliegenden Tankstelle Benzin, brach das Gotteshaus auf, goss das Benzin über die Einrichtung und zündete es an, so die Leiterin des Landauer Stadtarchivs Christine Kohl-Langer. Die Feuerwehr schaute zu und passte nur auf, dass das Feuer nicht auf andere Gebäude übergriff. Dann zogen die SA-Männer durch die Stadt, demolierten jüdische Geschäfte und Häuser. Die jüdischen Haushaltsvorstände wurden verhaftet, in den Betsaal in der Schützengasse verbracht, wo sie gezwungen wurden, eine Generalvollmacht zur Abtretung ihres Grundbesitzes zu unterzeichnen. Dann wurden sie ins Konzentrationslager Dachau verschleppt, so die Historikerin. Wer zusicherte seine Heimat zu verlassen, durfte zurück nach Landau, um es schleunigst zu verlassen. Die Synagoge wurde einige Tage später „aus Sicherheitsgründen“ gesprengt. Am damaligen Standort an der Ecke Friedrich-Ebert-/Reiterstraße erinnert seit 1968 ein Mahnmal an die Synagoge.

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