Vor allem die schlagende Verbindung Libertas, deren Mitglied Walter Rosenkranz seit 1981 ist, sorgt immer wieder wegen ihrer Nähe zu rechts außen für Empörung. Da komme jetzt allerlei “aus den Tiefen des Internets”, meint Walter Rosenkranz am Montagmorgen, als ihn DER STANDARD mit Fragen zu seiner Vergangenheit konfrontiert. Doch lange muss man etwa nach der deutschnationalen schlagenden Burschenschaft Libertas, deren Mitglied er seit 1981 ist, nicht graben. Der FPÖ-Politiker, seit 2019 Volksanwalt, wird aller Voraussicht nach Erster Nationalratspräsident und damit einer der mächtigsten Männer im Staat. Die Grünen haben angekündigt, ihn nicht zu wählen. Die Neos wollen Rosenkranz in einem Hearing befragen und dann ihre Entscheidung treffen. Auf STANDARD-Nachfrage sagt ein Parteisprecher dazu: “Wir haben solche Befragungen schon immer gemacht. Elisabeth Köstinger ist etwa nicht erschienenen, Wolfgang Sobotka schon.” Dabei gebe es immer einen auf die Person zugeschnittenen Fragenkatalog. Rosenkranz hat den Neos für die Befragung am Mittwochnachmittag zugesagt. “Staatliche Repression” Die Libertas verlieh 2008 dem Bund Freier Jugend (BFJ, Jugendorganisation der Aktionsgemeinschaft für demokratische Politik, AFP) den Carl-von-Hohenegg-Preis. Die Begründung, so erinnerte sich der Journalist Hans-Henning Scharsach 2012 in seinem Buch Strache im braunen Sumpf (Kremayr-Scheriau): Der BFJ sehe sich “für seine volkstreuen Aktivitäten stärkster staatlicher Repression” ausgesetzt. Dazu muss man wissen: Als der BFJ den Preis erhielt, waren mehrere seiner Aktivisten bereits wegen NS-Wiederbetätigung vorbestraft. Darauf heute angesprochen, sagt Rosenkranz, er habe “keine Entscheidungsbefugnis bei der Preisvergabe gehabt”. Nachsatz: “Aber ich trage natürlich die Entscheidungen meines Vereins mit.” Kritik gab es auch an Rosenkranz’ Beitrag für einen Sammelband der Libertas, in dem er Nazis als “Leistungsträger” bezeichnete. Etwa Hans Stich, der als NS-Generalstaatsanwalt viele Widerstandskämpfer ermorden ließ. Im Interview mit der Puls-4-Journalistin Corinna Milborn verteidigte Rosenkranz im Jahr 2022 diesen Textbeitrag.
via standard: DESIGNIERTER NATIONALRATSPRÄSIDENT Kritik an Rosenkranz wegen alter Nazis und junger Rechtsextremer