Ein Investigativteam der „Deutschen Welle“ hat zu russischen Drohnenangriffen auf Zivilisten in der Region Cherson recherchiert. Der Dokumentarfilm bezeugt den verheerenden Einsatz eines leicht zugänglichen Kriegsgerätes. Teilen Merken Drucken Ständige Explosionen höre sie nicht mehr, dafür nächtlichen Vogelgesang, sagt Ljubow Kindrat. Vor einem halben Jahr verließ sie zusammen mit ihrem Mann Wolodymyr wegen andauernder russischer Drohnenangriffe ihre Heimatstadt Beryslaw, die am rechten Ufer des Flusses Dnipro in der Region Cherson liegt. Jetzt leben sie in der weniger gefährlichen Zentralukraine, die Angst sitzt aber tief. Die betagte Frau berichtet, wie sie sich anfangs auch hier bei Donner an Bomben, beim Summen umherfliegender Wespen an Drohnen erinnert fühlte. Die am 26. August erschienene investigative DW-Recherche „Wie russische Drohnen eine ukrainische Stadt terrorisieren“ in Form eines knapp halbstündigen Dokumentarfilms untersucht die russischen Attacken in der Kleinstadt Beryslaw und Umgebung. Die DW-Journalisten kommen zu beunruhigenden Ergebnissen. Bei den Drohnen-Angriffen, bei denen sechzehn Menschen getötet und 130 verletzt wurden, handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um Kriegsverbrechen. In Beryslaw gibt es keinen ukrainischen Stützpunkt oder ein anderes strategisches Ziel. Die Opfer der Drohnenattacken hier sind allesamt Zivilisten, darunter Einwohner und auch zwei im Februar dieses Jahres getötete französische Mitarbeiter der Schweizer Hilfsorganisation HEKS. Ihr Fahrzeug sei eindeutig mit der Aufschrift „Keine Waffen“ gekennzeichnet gewesen. Selbst Krankenwagen werden attackiert. Die meisten Einwohner haben Beryslaw deshalb mittlerweile verlassen. Nach Abzug der Truppen begann der Drohnen-Terror Von Frühling bis Herbst 2022 stand die Kleinstadt unter russischer Besatzung, doch einige Monate nach Abzug der Truppen ans gegenüberliegende Flussufer begann der Drohnen-Terror. Auch die Garage und das darin geparkte Auto der Kindrats wurde zur Zielscheibe russischer Angriffe, glücklicherweise blieben sie unverletzt. Ljubow Kindrat erinnert sich, wie vor dem Abzug ein russischer Soldat zu ihnen sagte, er wolle ihnen zwei Nachrichten überbringen. „Die gute ist, wir werden in zwei Tagen verschwinden. Die schlechte: Wir werden sie bombardieren“, gibt sie seine Worte wieder. Video Dokumentation„Wie russische Drohnen eine ukrainische Stadt terrorisieren“ Die Investigativjournalisten von DW haben sechs Monate lang recherchiert, mit Augenzeugen aus Beryslaw gesprochen, Dokumente von Behörden und Aufnahmen ausgewertet. In die Stadt reisen konnten sie nicht, wegen der andauernden Gefahr ist die Zufahrtsstraße dorthin gesperrt. Auf russischer Seite arbeiteten sie mit öffentlich zugänglichen Informationen wie Telegram-Posts. Das Putin-Regime macht es immer schwieriger, aus Russland zu berichten, auch ist das aus besetzten Gebieten nicht möglich. Doch auch aus der Ferne kann man als Journalist viel erfahren, denn die russischen Truppen geben zu PR-Zwecken mitunter mehr Informationen preis, als ihnen lieb sein kann. Im Dokumentarfilm ordnen Experten die Rechercheergebnisse ein, etwa eine Mitarbeiterin des US-amerikanischen Think Tanks „Institute for the Study of War“.

via faz: DW-REPORTAGE ÜBER DROHNEN: Terror aus der Luft

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