Der Angriff auf einen Italiener in einer Stralsunder Bar bleibt rätselhaft. Laut Staatsanwaltschaft hat sich der mutmaßliche Täter, ein 64-jähriger Deutscher, schon zuvor mehrfach ausländerfeindlich geäußert. Jetzt wird der Fall auch Thema im Landtag. von Frank Breuner “Ich habe das für Deutschland gemacht” – das soll der Täter gerufen haben, nachdem er sein Opfer niedergestochen hatte und von der Polizei abgeführt wurde. So hat es ein Augenzeuge berichtet, der sich an den NDR wandte, weil er befürchtete, dass die Behörden den Fall “vertuschen” wollten. Bis heute gebe es keine Hinweise darauf, dass der Spruch von anderen Zeugen gehört worden sei, heißt es hingegen von der Staatsanwaltschaft Stralsund, die den Fall zunächst nicht publik machte. (…) Vier Wochen sind seit der Tat vergangen – und die Staatsanwaltschaft kann nach eigenen Aussagen immer noch kein Motiv nennen. Doch ein Polizeiexperte, Siegfried Stang, hat dafür eine Theorie zum Handeln der Behörden: “In der Tatnacht, am 26. Mai, hat die Polizei einen Einsatz, nicht irgendeinen Einsatz, sondern einen Einsatz in einer Mordsache und erfüllte Mindeststandards polizeilicher Maßnahmen nicht.” Etwa, dass der Tatort nach der Tat nicht sofort gesichert wurde, mutmaßt der frühere Kriminaldirektor aufgrund des Berichts eines Augenzeugen. Das sei wahrscheinlich auch den Leitungsebenen von Polizei und Staatsanwaltschaft spätestens am nächsten Morgen bekannt gewesen, so Stang. Pressevorbehalt: Zunächst keine Veröffentlichung Einen Tag später wird dann der Haftbefehl gegen den Beschuldigten erlassen. Und die Staatsanwaltschaft erlässt einen Pressevorbehalt – und veröffentlicht erst einmal: gar nichts. (…) Zehn Tage lang verschweigen die Behörden den Fall der Öffentlichkeit. “Das ist dann eine Zeit gut gegangen, bis der NDR sich eingemischt hat und am 5. Juni Nachfrage gehalten hat zu der Angelegenheit”, erläutert Stang seine Theorie. “Und – welch Wunder – schon am nächsten Tag wird die Straftat heruntergestuft, aufgrund eines juristischen Kunstgriffs und der Beschuldigte wird entlassen.” Bei unserer ersten Anfrage hatte die Staatsanwaltschaft den Fall noch als Tötungsdelikt behandelt, am 6. Juni wird die Tat dann als “gefährliche Körperverletzung” bezeichnet. Keine sofortige Wohnungsdurchsuchung Vor allem die Wohnungsdurchsuchung beim Beschuldigten, für die – laut Staatsanwaltschaft – erst ein Gerichtsbeschluss abgewartet wurde, kommt dem ehemaligen Leiter der Polizeidienststelle Neubrandenburg suspekt vor (…) Eine weitere Merkwürdigkeit ereignet sich, nachdem der NDR am 21. Juni den Fall veröffentlicht. Nur kurze Zeit später, noch am selben Tag, erscheint auch ein Onlineartikel des “Nordkurier”, in der die Staatsanwaltschaft mit einer Aussage zitiert wird, die dem NDR noch nicht bekannt ist. Demnach ist der Beschuldigte laut Zeugenaussagen schon früher mit ausländerfeindlichen Sprüchen in betrunkenem Zustand in der Bar auffällig geworden. Verwunderlich ist, warum Oberstaatsanwalt Cloppenburg dem NDR diese Information vorenthalten hat, immerhin würde das zumindest den Verdacht eines fremdenfeindlichen Motivs erhärten. Auf die Nachfrage, seit wann er diese Aussagen der Augenzeugen kennt, antwortet Cloppenburg: “Den Zeitpunkt meiner persönlichen Kenntnis erinnere ich nicht.”

via ndr: Messerattacke in Stralsund: Staatsanwaltschaft mit Erinnerungslücken

siehe auch: Messerattacke in #Stralsund: Warum schwiegen die Behörden? – #polizeiversagen #polizeiproblem Ein Deutscher sticht Ende Mai einen ausländischen Staatsbürger nieder und soll vor Zeugen gesagt haben, er hätte das “für Deutschland gemacht”. Polizei und Staatsanwaltschaft Stralsund äußern sich zunächst nicht zu dem Fall. (…) Peter G. erzählt, dass er nach draußen vor die Tür der Bar gegangen sei und gesehen habe, wie der mutmaßliche Täter von der Polizei fixiert wurde. Dabei habe er deutlich gehört, wie der Mann “Das habe ich für Deutschland gemacht” ausgerufen habe. Die Polizisten müssten das auf jeden Fall auch mitbekommen haben, meint G. Ein anderer Barbesucher habe die Beamten auch noch einmal aufgefordert, diesen Satz zu protokollieren. Bei der Durchsuchung des Tatverdächtigen sei ein Messer gefunden worden, ein Klappmesser mit Holzgriff, “größer als ein Brotmesser”, so schätzt Peter G. es ein