Wieso zieht die AfD so viele Wähler an? Warum laufen den Grünen die Jungen weg? Und welche Rolle spielten Scholz und Merz, die auf keinem Wahlzettel standen? Eine Analyse auf Basis der Daten von infratest dimap. Es klingt selbstverständlich, aber man muss es trotzdem erwähnen: Gewählt wurde das Europaparlament, die Fraktionen dort heißen zum Beispiel EVP, S&D oder Renew. Doch auf den Stimmzetteln standen nationale Parteien. 55 Prozent der wahlberechtigten Deutschen sagen denn auch, für sie sei eher die Bundespolitik ausschlaggebend bei ihrer Wahlentscheidung gewesen, nur 38 Prozent nennen die Europapolitik.Etwa die Hälfte gibt sogar an, die Europawahl sei eine gute Gelegenheit gewesen, der Bundesregierung einen Denkzettel zu verpassen. So ist es naheliegend, dass die Analyse des Wahlergebnisses auch einiges mit dem Blick auf die Arbeit der Ampel-Parteien im Bund zu tun hat. Nur 22 Prozent der Deutschen sind mit der Arbeit der Bundesregierung zufrieden. Ein derart niedriger Wert wurde bei keiner der Europa- oder Bundestagswahlen der vergangenen elf Jahre für eine amtierende Bundesregierung gemessen. Um den von Teilen der Wählenden so gemeinten Denkzettel einordnen zu können, muss man als Vergleichsmaßstab zwei verschiedene Wahlen heranziehen: Die Europawahl von 2019 und vor allem die Bundestagswahl von 2021. SPD verliert viele an die “Nichtwähler” Die SPD hatte schon bei der vorangegangenen Europawahl mit 15,8 Prozent ihr bislang schlechtestes Ergebnis erreicht, diesmal liegt sie sie weitere rund zwei Prozentpunkte darunter. Doch besonders deutlich wird der Denkzettel, wenn man die Bundestagswahl zum Vergleich heranzieht, wo die SPD noch 25,7 Prozent erreicht hatte.Laut ersten Zahlen zur Wählerwanderung hat die SPD im Vergleich zur Bundestagswahl Wähler an alle anderen Parteien verloren, besonders stark aber ins Lager derer, die diesmal gar nicht gewählt haben. Ein Indiz dafür, dass viele von der SPD enttäuscht sind – ohne sich bei anderen Parteien besser aufgehoben zu fühlen. Das zeigt sich auch daran, dass drei Viertel der Wahlberechtigten sagen, die SPD habe in der Regierung viel versprochen, bei den Menschen komme aber nur wenig an. (…) Und überproportional stark verloren die Grünen bei den jungen Wählern unter 25 – einer Altersgruppe, in der sie viele Jahre lang besonders stark waren. Jetzt kommen sie hier nur noch auf elf Prozent – nur noch etwa ein Drittel dessen, was sie in dieser Gruppe 2019 geholt hatten. Dazu passt, dass nur noch 38 Prozent der Wahlberechtigten sagen, die Grünen kümmern sich am stärksten um die Folgen der Politik für die jüngeren Generationen. Immer noch viel, aber eben 18 Prozentpunkte weniger als vor fünf Jahren.Wohin die Jungen offenbar gewandert sind, mag viele überraschen und wird in den kommenden Tagen sicher noch Thema sein. Denn besonders stark hinzugewonnen in dieser Altersgruppe hat die AfD. Ebenfalls auffallend stark in dieser Altersgruppe sind die kleineren Parteien, für die es aus statistischen Gründen schwer ist, genauere aussagekräftige Daten zu erheben. Das Phänomen, dass junge Wähler verstärkt kleinere Parteien mit zum Teil sehr speziellen Programmangeboten wählen, hat sich aber auch bei früheren Europawahlen schon gezeigt.

via tagesschau: EUROPAWAHL 2024 – Wer wählte was warum? So viel Denkzettel steckt im Wahlergebnis


0 Comments

Leave a Reply

Avatar placeholder

Your email address will not be published. Required fields are marked *