Über Jahre hat der Staat das Training von Neonazis in einem Sportclub in Halle finanziell gefördert. Nun wird der Ruf nach einem Stopp laut. Doch die Behörden sehen kein Versäumnis. Ein Neonazi, der mit einem T-Shirt mit Anspielungen auf Adolf Hitler posiert; Rechtsextremisten, die sich auf Kampfsportevents vorbereiten; ein Aktivist der Identitären Bewegung in Halle, der einen Zivilpolizisten angegriffen hat; ein Kindertrainer, der als Teil einer rechtsextremen Hooligan-Gruppe gegnerische Fußballfans verprügelt hat: Im Sportclub „La Familia“ in Halle haben sich Angehörige der rechtsextremen Szene offenbar über Jahre die Klinke in die Hand gegeben – und dort auf Staatskosten trainiert. Zwischen 2016 und 2023 hat der Verein knapp 38.000 Euro an Fördermitteln vom Land erhalten, überwiegend aus der Sportförderung für Vereine. Die Stadt Halle hat „La Familia“ zwischen 2017 und 2023 sogar mit rund 99.000 Euro bezuschusst. Die Linken-Landtagsabgeordnete Henriette Quade kritisiert nun: „Das Land und die Stadt haben bei ,La Familia’ wissentlich auch das Training von Neonazis finanziert.“ Sie hatte die Fördersummen für den Verein beim Land erfragt. In seiner Antwort bestätigt das Innenministerium, was es bereits 2022 auf eine andere Anfrage Quades eingeräumt hatte: Es sei „bekannt, dass in der Vergangenheit kampfsportaffine Rechtsextremisten in dem Verein trainierten oder als Trainer fungierten“. (…) Trainiert haben bei „La Familia“ soll demnach etwa ein früherer führender Aktivist der rechtsextremen Identitären Bewegung, die in Halle zwischen 2017 und 2019 ein Schulungszentrum unterhielt. 2020 war er nach einer Attacke auf einen Zivilpolizisten in Halle zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Nach Recherchen von „Correctiv“ nahm der Mann im November vorigen Jahres an dem Treffen in Potsdam teil, auf dem Rechtsextremisten und AfD-Funktionäre über die Ausweisung von Millionen Menschen mit Migrationsgeschichte aus Deutschland sprachen. Auf eine Anfrage der MZ reagierte er am Mittwoch nicht. Solange „La Familia“ im Landessportbund ist, hat Verein Anspruch auf Förderung Und dann ist da ein ehemaliger Deutscher Kickbox-Meister, der als Mitglied der als rechtsextrem geltenden Thüringer Hooligan-Gruppierung „Jungsturm“ wegen Überfällen auf gegnerische Fußballfans 2021 zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Noch im Jahr nach dem Urteil führte der Verein ihn als Athleten und Kindertrainer auf seiner Homepage.

via mz web: Sachsen-Anhalt fördert Kampfsport-Training von Neonazis – Behörden sehen kein Versäumnis


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