Der Vorstandsvorsitzende der italienischen Rundfunkanstalt Rai, Carlo Fuortes, gibt seinen Posten ab. Der Grund sei ein »politischer Konflikt« mit der ultrarechten Regierung – und Streit über die redaktionelle Ausrichtung. In Italien hat der Vorstandsvorsitzende der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Rai nach monatelangem Konflikt mit der ultrarechten Regierung um Ministerpräsidentin Giorgia Meloni seinen Rücktritt erklärt. In einem Schreiben an das für den Rundfunk zuständige Finanzministerium teilte Rai-Chef Carlo Fuortes mit, der seit Jahresbeginn andauernde »politische Konflikt« um seine Person schwäche die Rai, zudem lehne er geplante Änderungen an Programm und redaktioneller Ausrichtung ab. Fuortes’ Rücktritt erfolgt nach Ansicht von Regierungskritikern vor dem Hintergrund des Versuchs der Regierung unter Führung von Melonis ultrarechter Partei Fratelli d’Italia (FdI), die Leitung der Rai und weiterer Kulturinstitutionen im Land mit ihr politisch nahestehenden Persönlichkeiten zu besetzen. Fuortes war in der Regierungszeit von Melonis Vorgänger Mario Draghi ernannt worden. Bereits vor der Parlamentswahl im September 2022 hatte Melonis Partei bei der Rundfunk-Aufsichtsbehörde eine Beschwerde gegen Fuortes eingelegt, nachdem der französische Philosoph Bernard-Henri Lévy kurz vor dem Wahltag in einem Rai-Fernsehinterview die italienische Rechte scharf kritisiert hatte.

via spiegel: Öffentlich-rechtlicher Sender Rai Italienischer Rundfunkchef tritt nach Konflikt mit Regierung zurück