Eine AfD-Politikerin aus Franken wirbt damit, Jüdin zu sein. Kritiker werfen ihr vor, sie würde ihre Religion instrumentalisieren. Doch was hat es damit auf sich? BR-Recherchen zeigen: Sie selbst verfügt über Kontakte ins extrem rechte Milieu. Ekaterina Gutner aus Nürnberg gehört bislang nicht zu den bekannten Gesichtern innerhalb der bayerischen AfD. Sie selbst kam laut eigenen Angaben 1990 aus Russland nach Deutschland und wohnte in Sachsen. Doch erst kürzlich machte sie durch eine Aussage bei Twitter auf sich aufmerksam. “Der Zentralrat der Juden darf sich ab jetzt über eine Jüdin (noch schlimmer – mit Migrationshintergrund) als AfD-Bezirkskandidatin Mittelfranken freuen”, schrieb die Übersetzerin. (…) Gutner tritt als begeisterte Anhängerin von Björn Höcke auf, veröffentlicht etliche Bilder des AfD-Politikers auf ihrem Profil in sozialen Netzwerken. Sie schreibt beispielsweise zu einem Bild, das Höcke im Arm einer Frau zeigt: “Wir, Russinnen, tragen immer eine gewisse Verantwortung für unsere deutschen Männer und ihren Erfolg.” Ihre Nähe zu Höcke verwundert. So war der Chef der AfD in Thüringen Gesicht des mittlerweile aufgelösten Flügels der AfD, der vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als rechtsextrem eingestuft wurde. Antisemitische Chiffren und Verschwörungstheorien seien “Bestandteil der gesamten politischen Programmatik” des offiziell aufgelösten rechtsextremen “Flügels”, stellte das BfV in seinem Lagebild Antisemitismus im Jahr 2020 fest. Antisemitismusvorwürfe gegen AfD-Politiker Ekaterina Gutner hingegen schwärmt regelrecht von Höcke. (…) Auch für die mittelfränkische AfD-Landtagskandidatin Elena Roon wirbt Ekaterina Gutner in sozialen Netzwerken. Die Russlanddeutsche Roon war 2017 bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil sie Hitler-Bilder in einer internen AfD-Chatgruppe geteilt hat. “Vermisst seit 1945 – Adolf bitte melde Dich! Deutschland braucht Dich!” hieß es auf dem Bild, dazu ein Konterfei von Adolf Hitler. Zudem verbreitete Roon in einem russischen Netzwerk ein Video einer Holocaustleugnerin, wie BR-Recherchen offenlegten. Auch sonst hat Gutner offenbar keine Berührungsängste mit rechten Akteuren. Dieter M. (Name von der Red. geändert), der laut ihren Angaben Bilder für ihren Auftritt in sozialen Netzwerken anfertigt, ist nach BR-Recherchen ein ehemaliger Nürnberger Pegida-Aktivist und mit führenden NPD-Protagonisten aus Bayern verbandelt. So markierte Dieter M. deren Plakate in sozialen Netzwerken mit “gefällt mir” und kommentierte intern mehrere Propaganda-Bilder der rechtsextremen Partei mit “Die Motive auf den Plakaten finde ich sehr gut und gelungen.” AfD-Politikerin lobt Jürgen Elsässer: Treibt “Stimmvieh zusammen” Selbst bei einer Veranstaltung der rechtsextremen Szene war Gutner schon zu Gast. Videomaterial, das dem BR vorliegt, zeigt sie freudig filmend beim Sommerfest des Compact-Magazins im August des vergangenen Jahres. Dort trafen sich unter anderem Compact-Chef Jürgen Elsässer, der Neonazi-Liedermacher Frank Rennicke aus Oberfranken, Martin Sellner von der Identitären Bewegung oder Martin Kohlmann von der rechtsextremen Gruppierung “Freie Sachsen”.
via br: “Juden in der AfD”: Provokation als politisches Kalkül?
