Im Berufungsverfahren um mutmaßlich rassistische Übergriffe in Pirmasens ist ein psychiatrisches Gutachten angeordnet worden. Für einen Beschuldigten könnte das die letzte Chance sein. Brutale Szenen hatten sich im Sommer 2019 in Pirmasens abgespielt: Aus einer mutmaßlich rechtsradikalen Personengruppe heraus greifen drei Männer zwei Migranten aus Afrika an. Zunächst verbal, wobei massivste rassistische Beschimpfungen fallen. Dann schlagen zwei der Männer auf ihre Opfer ein, sodass diese schwer verletzt werden. Als sie flüchten, folgt eine regelrechte Hetzjagd durch die Innenstadt. Das Amtsgericht Pirmasens hatte deswegen, und weil es eine Reihe von Vorstrafen gab, durchaus harte Urteile verhängt: Zwei Jahre Haft ohne Bewährung wegen gefährlicher Körperverletzung sowie neun Monate Gefängnis wegen Beleidigung. Dagegen gingen alle drei Pirmasenser in Berufung, mindestens zwei von ihnen aber erfolglos. Das Landgericht Zweibrücken beschäftigte sich am Mittwoch in nächster Instanz mit dem Fall. Ergebnis: Für den einzigen der drei Männer, der im Gerichtssaal anwesend war, gibt es so etwas wie eine letzte Chance. Über seinen Anwalt räumte er die Tat erstmals ein. Außerdem berichtete er auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters davon, extrem viel Alkohol zu trinken. Am Wochenende seien das gut drei Flaschen Wodka täglich. Früher, so der 25-Jährige, habe er regelmäßig bis zu sieben Flaschen davon getrunken. Angesichts dessen ordnete der Richter in Zweibrücken ein psychiatrisches Gutachten an. Es solle geklärt werden, ob der Pirmasenser nicht besser in einer psychiatrischen Anstalt aufgehoben sei. B

via swr: BERUFUNGSVERFAHREN VORERST AUSGESETZT Hetzjagd in Pirmasens: Milderes Urteil wegen Alkoholproblem möglich?