Ein Biologe will in ganz Deutschland sogenannte Wildpflanzenparks schaffen. Einer seiner größten Fans ist die AfD. Doch das stört den Visionär nicht – im Gegenteil. Lipp Man darf den Biologen Markus Strauß ohne Übertreibung einen Visionär nennen: Neue Lebensräume für Insekten, Singvögel und Kleintiere aller Art will er schaffen, Selbstversorgung mit Lebensmitteln aus der unmittelbaren Nachbarschaft ermöglichen, “Grüne Klassenzimmer” und Naherholungsgebiete erbauen. In ganz Deutschland sollen dafür 4.000 sogenannte Essbare Wildpflanzenparks, kurz Ewilpas, entstehen. Die Anfänge sind bereits gemacht: Es gibt Parks in Bayern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen. Weitere Parks, lässt Strauß wissen, seien in Planung; wegen der großen Nachfrage gebe es bereits eine Warteliste und man könne zumindest in diesem Jahr keine weiteren Projekte aufnehmen. Um seine Vision zu verwirklichen, sucht Strauß nach Kooperationspartnern unter Öko-Landwirten, der Verwaltung von Städten und Gemeinden, Unternehmen, Vereinen, Klinik- und Hotelbetrieben. Doch Strauß macht mit seinem Konzept nicht nur ökologisch Interessierte auf sich aufmerksam. So beantragte etwa die AfD im Mai vergangenen Jahres einen solchen Park “in Anlehnung an das Konzept der Stiftung EWILPA” für den Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Die AfD in Berlin-Spandau stellte einen ähnlichen Antrag – mit eindeutigem Vokabular im Titel: “Naturschutz ist Heimatschutz – Essbarer Wildpflanzenpark auch in Spandau”. (…) Und Strauß ist, das legt die Vielzahl seiner Äußerungen und Veröffentlichungen nahe, kein unpolitischer Mensch. Der Biologe fiel mit einer gewissen Nähe zu einschlägigen Kreisen auf. So gab er dem rechtsradikalen YouTube-Kanal extremnews und dem Verschwörungsideologen Ken Jebsen Interviews. Auf Onlinekongressen trat er in den vergangenen Monaten zwischen rechten Esoterikern, Verschwörungsgläubigen und Anhängern der Anastasia-Bewegung auf. Diese Bewegung geht auf eine Romanreihe zurück, die unter anderem ein rückwärtsgewandtes Frauen- und Familienbild sowie antisemitische und rassistische Thesen vermittelt. Mittels Selbstversorgung auf sogenannten Familienlandsitzen wollen die Anhänger die Gesellschaft in ihrem Sinne beeinflussen. Unter den Mitreferenten finden sich etwa der Anastasia- und Russland-Freund Sepp Holzer und die Anastasia-Aktivisten Konstantin Kirsch, Ralf Otterpohl und Robert Briechle, der im Allgäu Landsitze für die Bewegung aufbaut. Mit von der Partie waren auch Ricardo Leppe, der als Vertreter einer menschenverachtenden “germanischen Heilkunde” und Initiator eines Netzwerks für die Gründung sogenannter Freier Schulen gilt. Außerdem: Oliver Janich, Andreas Popp und Eva Hermann sowie bekannte Impfgegner.
via spiegel: Markus Strauß und die AfD : Wenn sich rechte Ideologie als Naturschutz tarnt