Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in der Bahn und eine fremde Person greift Ihnen in die Haare: “Wollte ich immer schon wissen, wie sich das anfühlt”. Oder Sie kaufen ein Ticket, und der Mensch am Schalter sagt: “Du sprichst aber gut deutsch.” Für viele Menschen ist das nicht absurd, sondern Alltag. Eine Forschungsgruppe um die Medienwissenschaftlerin Dr. Maya Götze hat die rassistischen Alltagserfahrungen von Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungshintergrund untersucht. Rassismuserfahrungen sind in Deutschland Alltag für Kinder mit dunklem Teint. Sie sind Teil ihres Lebens, egal, ob sie morgens aus dem Haus gehen, nachmittags zum Sportverein oder zum Chor, früh die Bäckerei betreten, nachmittags das Busticket kaufen. Die Orte, an denen sie quasi jederzeit mit Anfeindungen, Beschimpfungen, Vorfällen aller Art rechnen können: Momente, in denen nicht-dunkle Menschen dunkle Menschen definieren: Als nicht-weiß. Eine Art ungeschriebener Freifahrtschein zur Stereotypisierung und Einordnung eines anderen Menschen. Echt jetzt?! werden Sie jetzt vielleicht denken, wenn sich Sie selbst zu den Hellhäutigen zählen. Und sich dann vielleicht unangenehm berührt fühlen, weil Sie hier gerade über Ihren Hautton definiert werden. Das machen Sie sonst sicher nicht, genauso wenig wie Ihre Kinder. Dr. Maya Götz hat genau dieses Thema untersucht: Rassismuserfahrungen in Deutschland. Dafür wurden 1.461 Heranwachsende zwischen sechs und 19 Jahren zu ihren Rassismus-Erfahrungen im Alltag befragt, in Interviews und in Fragebögen. 491 der Befragten haben eine Zuwanderungsgeschichte, das heißt, sie selbst oder ihre Eltern wurden in einem anderen Land als Deutschland geboren. Außerdem wurden 22 Fallstudien in Form von Interviews mit Kindern bis 12 Jahren gemacht. (…) Zu den häufigsten Erfahrungen zählen der Studie zufolge außerdem Beschimpfungen wegen der Herkunft und des Aussehens, Witze über das Herkunftsland, sowie körperliche Bedrohungen und Angriffe. “Sieben von zehn Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte haben Alltagsrassismus erlebt. Zehn von zehn Kindern mit dunklerer oder dunkler Hautfarbe wurden mit Alltagsrassismus konfrontiert”, heißt es weiter in der Veröffentlichung. Und: “Knapp sieben von zehn Kindern und Jugendlichen mit Zuwanderungsgeschichte und dunklerer Hautfarbe wurde schon mal gesagt, sie sollten in das Land zurückgehen, aus dem sie gekommen sind.” (…) 71 Prozent der Beleidigungen kommen der Studie zufolge von Mitschülerinnen und anderen Kindern oder Jugendlichen. 13 Prozent von Fremden auf der Straße, an Haltestellen oder im Zug. Es sind Alltagsmomente, die weder weiße Kinder noch weiße Erwachsene erleben.

via mdr: STUDIE: ZEHN VON ZEHN DUNKELHÄUTIGEN KINDERN ERLEBEN RASSISMUS

Studie (PDF)