Viele Juden verlassen Europa, weil sie sich zunehmend unsicher fühlen, beklagen jüdische Organisationen in Brüssel. Sie fordern mehr Unterstützung im Kampf gegen den Antisemitismus. Bernd Riegert berichtet. (…) Slomo Köves glaubt festzustellen, dass sich die antisemitischen Ressentiments in seiner ungarischen Heimat über die Jahre langsam abbauen. Allerdings trifft er auch noch Schüler, die ihn verzweifelt fragen, ob sie denn unbedingt Jude bleiben müssen, nur weil ihre Eltern Juden sind. Sie fühlen sich angefeindet. “Ich habe einen Traum”, sagt Rabbi Köves, “und zwar dass kein Kind in Europa sich wegen seines Jüdischseins schämen oder ängstigen muss. Jeder sollte stolz auf seine Herkunft und Identität sein.” Antisemitismus in Europa weit verbreitet. Bis zur Verwirklichung dieses Traums ist es möglicherweise noch ein langer Weg, denn eine neue Studie der “European Jewish Association”, einem europäischen Verbund jüdischer Gemeinden und Organisationen, zeigt deutlich, dass Antisemitismus in der EU auch 80 Jahre nach dem Holocaust noch tief verwurzelt ist – und sogar zunimmt. Rabbiner Slomo Köves stellte diese Studie aus Anlass der Jahrestagung der europäischen jüdischen Verbände in Brüssel vor. Trotz aller negativen Tendenzen, die man aus der Befragung durch das Meinungsforschungsinstitut IPSOS von 16.000 Menschen in 16 EU-Mitgliedsstaaten herauslesen könne, gebe es auch einen Hoffnungsschimmer. Das Engagement der “Aktions- und Schutzliga” zeige, dass es in Ungarn so etwas wie eine Umkehr des Trends geben könne. Von 2006 bis 2013 war demnach mit dem Anwachsen der rechtsradikalen und -populistischen Parteien in Ungarn auch das Klima für Juden schlechter geworden. 2012 habe dann bessere Aufklärungsarbeit eingesetzt und seither würden die Vorurteile angegangen.

via dw: NEUE STUDIE – Antisemitismus in der EU weit verbreitet