Ein Bautzener Unternehmer unterstützt den lokalen Fußballklub, hilft Kindergärten. Doch es gibt bei Jörg Drews’ Engagement noch eine andere Seite. Wenn man sich in der 40.000-Einwohner-Stadt Bautzen nach dem Bauunternehmer Jörg Drews erkundigt, fällt eine allgemeine Zurückhaltung auf, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit in Anspruch zu nehmen. Kaum jemand möchte sich zur Person äußern, obschon ihn jeder kennt. (…) Jörg Drews ist der größte Steuerzahler der ostsächsischen Stadt. Wer ihn kritisiert, steht offenbar in dem dringenden Verdacht, Bautzen beleidigen zu wollen. Was Drews denkt und welche Kreise er fördert, tritt hinter dem materiellen Wohltäter zurück. Der ehemalige Taktstraßenleiter im DDR-Wohnungsbau, der mangels einer SED-Mitgliedschaft nicht Bauleiter werden durfte, beteiligte sich 1992 über Treuhand-Restitutionen am Traditionsbetrieb Hentschke-Bau. Heute ist er dessen Hauptgeschäftsführer. Mit etwa 700 Beschäftigten und einem Jahresumsatz um die 200 Millionen Euro ist das Unternehmen in Sachsen eine große Nummer. Seine Bauwagen und Maschinen stehen an der Augustusbrücke in Dresden, in Erfurt oder an der Ostseeküste (…) Überregionale Medien haben einiges über Drews geschrieben und gesendet, manche von ihnen handelten sich einen Rechtsstreit ein. Das Landgericht Frankfurt (Oder) lehnte es im Januar allerdings ab, einer Bautzener Bürgerin die auf Twitter gebrauchte Bezeichnung „Reichsbürger“ für Drews zu untersagen. (…) Drews sagt, er stehe auf einem gutbürgerlichen Boden, der nach seinem Empfinden aber ins Schwanken geraten ist. „Ich hatte das Gefühl, dass viele gesellschaftliche Entwicklungen nicht in die gewünschte Richtung gingen“, sagt er. Die „gewünschte Richtung“, das ist für Drews das CDU-Parteiprogramm aus dem Jahr 2002. Dort fand er noch die von ihm geschätzten Tugenden Eigenverantwortung, Selbstständigkeit, Fleiß und Disziplin wieder, nicht zu vergessen „ein vernünftiges Verhältnis zur Nation und zur Einwanderungspolitik“.
„Wieder auf konservative Grundwerte zurückführen“ möchte er die Gesellschaft. Zugleich bestreitet er, einen entsprechenden Plan, gar eine Mission zu verfolgen. „Ich bin kein Umstürzler!“ Wirklich nicht? Beginnend 2016 erscheint anfangs in Papierform und nunmehr online das Magazin Denkste?!, im Untertitel „Zeitung zur Meinungsbildung der unabhängigen Bautzener Bürgerinitiative,Wir sind Deutschland’“. WSD verstand sich damals als etwas zivilere Alternative zu Pegida und brachte vorübergehend in einigen sächsischen Städten Demonstranten auf die Straße. Welche Meinung Denkste?! dabei abbildet, ist offensichtlich – gegen die antirassistische Arbeit der Amadeu-Antonio-Stiftung, gegen die sächsische Regierung, deren „Kampf gegen rechts als verlogene Strategie entlarvt“ wird. Entlarvt wird auch „Das Klima als Mittel politischer Beeinflussung“. Das Magazin bietet Querdenkern und Impfgegnern ein Forum. Jörg Drews räumt ein, „am Anfang Geld gegeben“ zu haben, nimmt aber nach seinen Worten keinen Einfluss mehr auf redaktionelle Inhalte. Unwirsch kontert er den Hinweis auf eine Spende in Höhe von 19.500 Euro an die AfD im Bundestagswahlkampf 2017, nachdem er früher in kleineren Stückelungen die CDU unterstützt hatte. Er habe sich „teilweise mit der AfD identifizieren können“, zum Beispiel mit deren Kritik an der EU-Finanzpolitik. Inzwischen hält er sich zugute, durch seine Kandidatur für das Bürgerbündnis Bautzen bei der Kommunalwahl im Jahr 2019 verhindert zu haben, dass die AfD stärkste Fraktion im Stadtrat wurde. Dieses Bürgerbündnis bezeichnet die ehemalige Grünen-Stadträtin Annalena Schmidt als „typische Querfront“. Die Aktivitäten von Drews seien überhaupt „gut getarnt“, sagt die junge Historikerin, die sich an ihrer konservativen Lausitzer Wahlheimat wundgerieben hat, auf Diskussionen niedergeschrien und im Netz beschimpft und bedroht wurde. Nach Ende ihrer Bautzener Stelle lebt sie mittlerweile in Dresden und betreibt Bildungsarbeit bei der Diakonie. Referenten vom rechten Rand Bis zur 2019 verkündeten Trennung unternehmerischer und politischer Aktivitäten organisierte Hentschke-Bau die gut besuchten Bürgerforen im Bautzener Hotel Residence. Drews bestätigt, dass er das Forum ins Leben gerufen habe und die Referenten auswähle. Unter diesen Vortragenden befindet sich etwa der Psychiater Hans-Joachim Maaz, der die Pegida-Bewegung in Schutz nimmt, oder der zur AfD desertierte ehemalige Dresdner CDU-Mann Maximilian Krah. Der Journalist Christoph Hörstel bezeichnete die deutsche Israelpolitik schon mal als Hochverrat und redete jahrelang auf dem Berliner Al-Quds-Tag. Der ebenfalls referierende ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Willy Wimmer schreibt für das rechte Compact-Magazin, seine Bücher erscheinen in einem einschlägigen Verlag. Einige diese Figuren sind zudem mit dem Bautzener Friedenspreis belohnt worden. Letzter Preisträger war der Schweizer Verschwörungstheoretiker Daniele Ganser.

via taz: Sponsoring in Bautzen: Wohltäter mit Schlagseite