Zwei Neonazis greifen Journalisten im thüringischen Fretterode an. Jetzt beginnt der Prozess – gut drei Jahre später. Mehr als drei Jahre nach dem brutalen Überfall von Neonazis auf zwei Journalisten im thüringischen Fretterode soll nun endlich der entsprechende Strafprozess beginnen. Vom 7. September an stehen der ehemalige NPD-Führungskader Gianluca B. und Nordulf H. vor dem Landgericht in Mühlhausen. Ihnen, die bislang zu den Tatvorwürfen geschwiegen haben, wird schwerer Raub in Tateinheit mit gemeinschaftlich begangener schwerer Körperverletzung vorgeworfen. Möglicherweise aber wird der Tatvorwurf in der Hauptverhandlung sogar noch erweitert – auf versuchten Totschlag. Der Überfall, der nun vor Gericht behandelt wird, ereignete sich am 29. April 2018. (…) Die Neonazis – so die Schilderung der überfallenen Journalisten bei der Polizei – zerstachen die Reifen, zerschlugen die Scheiben des Autos und sprühten Pfefferspray in das Wageninnere. Julius, der aus dem Auto flüchtete, wurde von Gianluca B. verfolgt. Als B. ihn einholte, habe der ihn mit einem etwa 60 Zentimeter langen Schraubenschlüssel mit voller Wucht auf den Kopf geschlagen, gab Julius an. Das führte zu einer heftig blutenden Platzwunde. Später diagnostizierten Ärzte zudem eine Schädelfraktur bei dem jungen Mann. Malte war nach eigenen Angaben unterdessen im Auto geblieben und versuchte, sich gegen den zweiten Angreifer – Nordulf H. – zur Wehr zu setzen. Mehrmals soll H. mit einem langen Messer nach dem Journalisten gestochen und ihn schließlich am Oberschenkel getroffen haben. Dann habe H. sich die Kamera aus dem Wageninneren gegriffen und sei mit seinem Kumpel B. davongerast. (…) Aber auch wenn die Anklage in ihrer jetzigen Form bestehen bleibt, droht beiden Tatverdächtigen eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Denn allein schon für den schweren Raub, den B. und H. unter Verwendung eines gefährlichen Gegenstandes (großer Schraubenschlüssel) und einer Waffe (Messer) begangen haben sollen, droht ihnen laut Paragraf 250 StGB eine Mindeststrafe von fünf Jahren Haft.
via fr: Neonazi-Attacke in Fretterode: Rechtsextreme sind seit der Tat auf freiem Fuß
siehe dazu auch: Tatort Fretterode