Sie soll Anschläge auf Politiker und Muslime geplant haben und gehört seit Jahren zur Neonazi-Szene. Was ist Susanne G. für ein Mensch? Darüber sollte eine forensische Psychiaterin im Prozess Aufschluss geben. »Meine Ehre heißt Treue«, den Spruch der SS hat sich Susanne G. auf den Körper tätowieren lassen. An der neonazistischen Gesinnung der Heilpraktikerin aus dem Nürnberger Land lassen auch die Hakenkreuzfahne, die zu Hause über ihrem Bett hing, und Adolf Hitlers »Mein Kampf«, das auf ihrem Nachttisch lag, keinen Zweifel. Die rechtsextreme Einstellung der 55-Jährigen steht außer Frage. »Krankheitswertig ist das nicht«, stellt am Freitag eine forensische Psychiaterin vor dem Oberlandesgericht (OLG) München fest. Hinweise auf eine psychische Störung der Angeklagten hat sie nicht gefunden. »Frau G. imponiert als durchaus selbstbewusste, durchsetzungsfähige und beharrliche Person«, sagt die Psychiaterin. Susanne G. sei in der Lage, sich auch in männerdominierten Zusammenhängen zu behaupten. Die Angeklagte schloss sich etwa 2010 einem Rockerklub, später der Neonazi-Szene an. Bis 2020 war sie Mitglied der Neonazi-Kleinstpartei »Der III. Weg«. Bei Susanne G. liege »ein ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken« und »eine grundlegend ablehnende Haltung« gegenüber Menschen vor, die nicht in ihr Weltbild passten, stellt die Psychiaterin fest. »Sie demonstriert Stärke und Machtbewusstsein nach außen«, wirke »sehr hart zu sich selbst« und zugleich »innerlich verletzlich und nachhaltig kränkbar«. Seit April muss sich Susanne G. wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, Störung des öffentlichen Friedens und Bedrohung vor dem Staatsschutzsenat des OLG München verantworten.

via spiegel: Prozess gegen rechtsextreme Heilpraktikerin – »Ausgeprägtes Schwarz-Weiß-Denken«