Gefälschte Impfpässe werden zum Problem und die Politik kommt nicht hinterher. Doch eine sichere und digitale Lösung ist nicht in Sicht. Woran liegt das? Das gelbe Dokument ist das Büchlein zur Freiheit – zumindest für die, die bereits vollständig gegen das Coronavirus geimpft sind. Denn seit Sonntag gelten für Geimpfte und Genesene andere Regeln, Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren entfallen für sie. Ihren Status müssen sie aber nachweisen können. Das ist ein Problem, denn der gelbe Impfausweis, in dem die Impfungen bisher eingetragen werden, kann leicht gefälscht werden. Eine sichere und komplett digitale Lösung ist nicht in Sicht – dafür hat die Politik zu langsam gehandelt. Wo sind falsche Impfpässe im Umlauf? Bei Telegram scheint die Freiheit ganz nah zu sein. Zumindest die, die man mit einer Impfung wiederbekommt. Schon ab 50 Euro werden dort von privaten Nutzer:innen gefälschte gelbe Impfpässe angeboten. Angeblich soll es sie mit original Stempel, Sticker und Unterschrift vom Arzt geben. Manche werben mit „original Biontech Pfizer Aufklebern”. Die Anbieter wollen die Ausstellungsorte an den Impfbezirk anpassen und sich dabei nach der Versandadresse richten.
Käufer:innen bekommen den Impfpass angeblich per Post zugeschickt. Von diesen Fälschungsangeboten gibt es einige, über Telegram bekommt man sie wohl am unkompliziertesten. Der Messengerdienst Telegram ist vergleichbar mit Whatsapp, hat aber erweiterte Gruppenfunktionen, die viel genutzt werden. Wer die App nutzt und bei der Suchfunktion nur „Impfpass” oder „Impfausweis” eingibt, findet gleich mehrere Gruppen, die die gefälschten Imfpässe anbieten. Telegram hat teilweise den Ruf einer Protest-App. Sie wird wenig reguliert, außerdem sind dort viele Querdenker und Menschen, die dem Milieu nahe stehen, unterwegs. Was sagen die Berliner Behörden? Der Staatsanwaltschaft Berlin sind bisher zwei solcher Fälle bekannt. In einem der Fälle wurden drei Männer im Alter von 28, 30 und 39 Jahren Ende April am U-Bahnhof Kaulsdorf-Nord in Hellersdorf festgenommen. Sie wollten Zivilbeamten des Landeskriminalamtes gefälschte Impfausweise verkaufen und boten sie ihnen zuvor über einen Messengerdienst an, wie es in einer Mitteilung der Berliner Polizei heißt. Insgesamt wurden bei den Männern sieben Impfausweise gefunden. Fünf Stück wurden für insgesamt 1500 Euro zum Kauf angeboten, wie die Berliner Staatsanwaltschaft mitteilte. Im zweiten Fall, der den Behörden bekannt ist, wurde ein 27-jähriger Berliner in Lichterfelde festgenommen. Auch er wurde durch Zivilpolizisten überführt, auch er bot die gefälschten Impfausweise über einen Messenger an. In seiner Wohnung lagerte er 46 Impfbücher und 33 Impfaufkleber. Außerdem fanden die Beamten neben Drogen wie Kokain und Amphetamine zehntausend Euro mutmaßlichen Handelserlös, eine Schreckschusswaffe und mehrere tausend Euro Falschgeld. Thomas Thieme von der Berliner Staatsanwaltschaft schätzt, dass durch die öffentliche Diskussion über Lockerungen für Geimpfte „Kriminelle dieses Spielfeld für sich entdeckt haben, um Geld zu verdienen”. Das Dunkelfeld oder ein Täterprofil könne er wegen der geringen Zahl an bisher bekannten Fällen und Tatverdächtigen nicht zeichnen.

via tagesspiegel: Freiheit für ‘nen Fuffi – Fälschung von Impfpässen kann kaum verhindert werden

Impfpass mit COVID 19 Impfungen.jpg
Von <a href=”//commons.wikimedia.org/wiki/User:Superikonoskop” title=”User:Superikonoskop”>Superikonoskop</a> – <span class=”int-own-work” lang=”de”>Eigenes Werk</span>, CC BY-SA 4.0, Link