Seit fast zwei Wochen demonstrieren die deutschen Landwirte in Berlin. Dabei immer wieder zu sehen: Symbole mit rechtsextremen Bedeutungen. Skurrile Allianz: Unter die Bauernproteste für eine neue Landwirtschaftspolitik haben sich zunehmend Corona-Leugner gemischt. Und auch Rechte wittern Morgenluft. Viele Landwirte sind entsetzt – andere sympathisieren mit Schwurblern und Extremisten. Nachdem Bauern in den vergangenen Wochen Zentrallager großer Lebensmittelhändler blockiert hatten, demonstrieren sie nun seit fast zwei Wochen in Berlin. Auf ihren Traktoren fordern sie eine Kursänderung in der Landwirtschaftspolitik – namentlich Regelungen für kostendeckende Preise und mehr heimische Nahrungsmittel im Handel sowie Corona- und Schweinepest-Hilfen. Corona-Krise: Bundesweite Autokorsos von Schutzmaßnahmen-Gegnern Mittlerweile werden die Veranstaltungen jedoch immer häufiger von einer anderen Gruppe ausgenutzt: von Gegnern der Corona-Maßnahmen. In Berlin „solidarisierten“ die sich mit den Landwirten – woraufhin einem Redner der Kragen platzte. Der Mann, ein Schäfer, forderte die „Querdenker“ auf, sich aus dem Kampf der Bauern rauszuhalten: „Das, was die mit uns machen, ist schon fast Nötigung.“ Die Maßnahmen-Gegner würden suggerieren, dass sie sich mit den Bauern solidarisieren müssten. „Aber das müssen sie nicht“, so der Landwirt. „Und wir möchten auch nicht von denen geläutert werden.“ (…) Die Bauern fühlten sich von den Lockdown-Gegnern instrumentalisiert – und gestört. „Viele Landwirte haben ihre Teilnahme abgesagt wegen denen“, berichtet in Berlin der Schäfer. Zudem bringe man die Bauern deshalb mit der politischen Rechten in Verbindung – die schwarze Flagge eines Kollegen sei „als rechts gedeutet“ worden, was „totaler Quatsch“ sei. „Ihr macht unseren Kampf kaputt und zerstört jetzt unsere Höfe“, so der Landwirt. Ganz von der Hand zu weisen ist die Nutzung von rechtsextremen Symbolen durch die Bauern aber nicht. Die schwarze Flagge mit dem weißem Pflug und dem roten Schwert, von der der Schäfer spricht, ist ein Zeichen der sogenannten „Landvolk“-Bewegung und war laut dem „Tagesspiegel“ auch auf Kappen und Schutzmasken der Bauern zu sehen. Die Bewegung entstand im Zusammenhang mit der Agrarkrise der späten Zwanziger Jahre in Schleswig-Holstein und gilt als antisemitisch und antiparlamentarisch sowie völkisch-nationalistisch. Historiker sehen die Bewegung als Wegbereiter für den Erfolg der NSDAP. Rechtsextreme Symbole bei deutschen Landwirten Die Grenzen zwischen Querdenkern, Rechtsextremen und Bauern verschwimmen auf Veranstaltungen wie der in Berlin. Viele Landwirte bangen aber schlicht um ihre Existenz – ohne dabei irre Ideologien zu unterstützen. Sie erfahren im Netz viel Solidarität. „Gibt es eine Möglichkeit, an die Bauern zu spenden, die sich von den Querköpfen distanzieren?“, fragt ein Twitter-Nutzer. „Sogenannte Querdenker, die eh nur Schrägdenker sind, zerstören Existenzen“, schreibt ein anderer. 

via mopo: „Fast schon Nötigung“ Bauern-Proteste von Rechten und „Querdenkern“ unterwandert