Das rechte Portal „NIUS“ verbreitet falsche Informationen über Edeka Wollny und tritt damit im Internet eine Welle los. Der Betreiber wird seitdem angefeindet – und will trotzdem nicht aufhören. Man werde den Supermarkt „abfackeln“, er würde bald „Glücksscherben“ im Laden vorfinden und solle sich bloß in Acht nehmen, wenn er ihn nach Feierabend verlässt. Die zahlreichen Drohungen, die Michael Wollny, Betreiber des Edeka-Supermarktes an der B300 in Friedberg, in den vergangenen Wochen auf sozialen Medien, per Mail, Anruf oder auch per Post bekommen hat, haben es in sich. Hinter dem durch Fake News angeheizten Shitstorm gegen den Friedberger Marktbetreiber stecken unter anderem die rechtspopulistische Plattform „NIUS“, ein AfD-Bundestagsabgeordneter sowie rechte Youtube-Kanäle. Wollny selbst gehe es trotz aller Aufregung „im Moment gut“, erzählt er gegenüber unserer Redaktion. Er sei froh, dass sich die Aufregung inzwischen langsam wieder lege. Dennoch waren die vergangenen Wochen für ihn, seine Belegschaft und auch für den Edeka-Konzern aufreibend. Los ging alles am 31. Januar mit einem Facebook-Post auf dem offiziellen Kanal von Wollnys Supermarkt. „Olivier caffé aus Wolfsburg ist ab sofort unser neuester Kaffeelieferant“, heißt es dort. Man freue sich über die Kooperation, teile die Rösterei doch „unsere klare Haltung für Toleranz, Vielfalt und ein offenes Miteinander“. Kurz darauf standen vier neue Espressosorten in den Regalen, eine fünfte namens „Bella Ciao“ gebe es auf Nachfrage, hieß es in einem späteren Post. Dazu ein Bild der neuesten Lieferung: Sie zeigt zwei Packungen der Sorte „Bella Ciao“ auf denen in großen Lettern „FCK AFD“ steht. Daneben eine Tasse mit der Aufschrift „Kein Kaffee für Nazis“, die die Wolfsburger Rösterei noch als Werbegeschenk für Wollny dazugelegt hatte, so schreibt er in dem Post. Es war jene Tasse, die nicht nur rechte Youtube-Kanäle, sondern auch das umstrittene Nachrichtenportal „NIUS“ und schließlich einen AfD-Bundestagsabgeordneten auf den Plan rief. Letzterer postete ebenfalls auf Facebook, dass einzelne Edeka-Filialen besagten „FCK AFD“-Kaffee sowie die „Kein Kaffee für Nazis“-Tassen verkaufen würden und warf die Frage auf: „Will der Lebensmitteleinzelhandel künftig politische Kampagnenware zwischen Milch und Mehl platzieren?“ Ein Artikel von „NIUS“ geht noch weiter: Dort ist zu lesen, der Edeka-Konzern arbeite „eng“ mit besagter Wolfsburger Rösterei zusammen, die neben Tassen mit der Aufschrift „Kein Kaffee für Nazis“ auch welche mit der Aufschrift „AfDler töten“ vertreibe (…) Tatsächlich hat es diese Tasse mit dem vermeintlichen Tötungsaufruf nie gegeben, weder, wie „NIUS“ schreibt, im Onlineshop der Rösterei noch im Edeka-Markt von Michael Wollny, so bestätigt es auf Nachfrage Daniel Olivier, Chef der Rösterei aus Wolfsburg. Ursprung des entsprechenden Gerüchts war wohl eine provokative Aktion der Rösterei: „Wir haben ein Bild dieser Tasse per KI erstellt und auf Facebook gepostet.“ Er wollte damit an eine Debatte um ein Wahlplakat der Satirepartei „die Partei“ mit der Aufschrift „Nazis töten“ anknüpfen, die ein Gericht als zulässig einstufte. Wollny und Olivier bestätigen beide, dass sich auch der „FCK AFD“-Kaffee zu keinem Zeitpunkt im Sortiment des Ladens befunden habe. „Ein Kunde hat mich danach gefragt, für den habe ich dann extra zwei Packungen davon bestellt“, so Wollny. Im Regal hat der Kaffee aber nie gestanden. Auch Tassen der Rösterei hat es in Wollnys Markt nie zum Verkauf gegeben
via friedberger allgemeine: Morddrohungen wegen „FCK AFD“-Kaffee: Friedberger Edeka erlebt Shitstorm