Das Landvolk, Niedersachsens größter Bauernverband, hat ein Podium angekündigt, auf dem auch ein AfD-Politiker sprechen soll. Trägt das zur Normalisierung der Partei bei? 3.12.2025 15:18 Uhr teilen Rechte schmeißen sich gern an Landwirte ran: Mann mit AfD-Weste bei Bauernprotest Foto: Imago Von Jost Maurin Der größte Bauernverband in Niedersachsen, das Landvolk, hat einen AfD-Politiker zu einer Podiumsdiskussion auf seiner Mitgliederversammlung eingeladen. In der Einladung zum „Polit-Talk“ am Donnerstag in Hannover steht neben den agrarpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen von SPD, CDU und Bündnis 90/Die Grünen auch der AfD-Politiker Alfred Dannenberg. In der Runde solle die „Agrarpolitik in Niedersachsen beleuchtet“ werden, heißt es in dem Schreiben, das der taz vorliegt. „Solche Auftritte normalisieren eine Partei, die der Verfassungsschutz in Niedersachsen als rechtsextremen Verdachtsfall führt“, kritisierte der Agrarsprecher der Grünen im Landtag, Pascal Leddin. Die Strategie, die AfD in derartigen Diskussionen inhaltlich zu stellen, funktioniere nicht. Die Partei leugne sogar den Klimawandel. „Mit denen ist keine faktenorientierte Diskussion möglich. Mit der AfD zu diskutieren ist, wie einen Pudding an die Wand zu nageln.“ Er hätte die Veranstaltung am liebsten gemeinsam mit CDU und SPD boykottiert, sagte Leddin. „Aber nachdem klar war, dass die CDU bei der Zusage bleiben würde, wäre das Podium faktisch zu einer AfD-CDU-Runde geworden und das kam für mich nicht infrage.“ Das Landvolk hätte die AfD nicht einladen müssen, so der Grüne. Die Partei regiert in Niedersachsen nicht, sondern ist die kleinste Oppositionsfraktion. Das Landvolk hatte zuvor erklärt: „Unser Umgang mit der AfD beschränkt sich auf das protokollarisch gebotene Maß.“ „Protokollarisch geboten ist es, in einem Landtagsausschuss auf Fragen der AfD zu antworten. Aber nicht, sie einzuladen“, so Leddin. Auch die agrarpolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Karin Logemann, forderte das Landvolk auf, „den AfD-Vertreter vom Podium zu nehmen.“ Logemann wäre es auch am liebsten gewesen, die Veranstaltung gemeinsam mit CDU und Grünen zu boykottieren – wenn „wir uns einig gewesen wären“.
via taz: Brandmauer bei Landwirten Niedersächsischer Bauernverband lädt AfD zu Diskussion ein
siehe auch: Landvolk und AfD: Spürbare Distanz bei Podiumsdiskussion Die AfD ist bei der Mitgliederversammlung des Landvolks in Hannover am Donnerstag auf offenen Widerspruch und spürbare Distanz gestoßen. Bei einer Podiumsdiskussion mussten sich alle Parteien den Fragen der Mitglieder stellen. Als die agrarpolitischen Sprecher der vier im Landtag vertretenen Parteien vorgestellt werden, zeigt sich die Grundstimmung im Saal sofort: Applaus für die CDU, auch für die SPD, verhaltener Applaus für die Grünen. Für die AfD bleibt es bei einem kurzen, pflichtbewussten Klatschen. Es wird für die Partei der letzte Applaus des Tages bleiben. Die Landwirte achten bei ihrer Mitgliederversammlung sichtbar darauf, keine missverständlichen Signale zu senden. Obwohl es im Verlauf einzelne inhaltliche Schnittmengen mit der AfD gibt, wird nicht geklatscht. Zurückhaltung bleibt Leitmotiv während der Veranstaltung. Die Fragen der Landwirte sind direkt und ungeschönt. “Warum dulden Sie einen Herrn Höcke in Ihrer Partei?” So lautet eine der ersten Fragen der Diskussion. Die Antwort des AfD-Landtagsabgeordneten Alfred Dannenberg bleibt ausweichend. Die Folge: Kopfschütteln im Saal und unruhiges Rutschen auf den Stühlen. Noch deutlicher wird es, als Landvolk-Präsident Holger Hennies die AfD mit ihrer Europapolitik konfrontiert. “Das wäre für viele Landwirte, aber auch für viele andere Gewerbetreibende, wirtschaftlich das Ende. Das ist Ihnen klar, oder?” AfD-Abgeordneter Dannenberg antwortet: “Das ist uns klar, und auch hier steht ein möglicher Austritt an letzter Stelle.” Die Reaktionen sind sofort da: Raunen, ungläubiges Lachen, Kopfschütteln. Niemand klatscht – der Abstand ist spürbar. Die Europafrage als Kernargument Viele Landwirte benennen heute klar, wo die Grenze verläuft. Ein Austritt aus der EU – für die Landwirte im Saal undenkbar. “Protektionismus trifft am Ende die Bevölkerung”, sagt Andre Brunemund vom Landvolk Ammerland. Landwirt Felix Müller ergänzt “Die AfD ist unwählbar, nicht nur für die Landwirtschaft.” Aussagen wie diese fallen bei der Veranstaltung am Donnerstag immer wieder. Während bei den inhaltlichen Debatten oft Einigkeit herrscht, wird die Einladung der AfD zur Mitgliederversammlung an sich unterschiedlich bewertet.