Eine Aktion der NGO Campact macht bekannt, welche Firmen häufig vor Videos von rechtsradikalen Youtubern warben. Einige nehmen bereits Abstand. Wie auch andere Influencer machen AfD-nahe Youtuber auf der Videoplattform ordentlich Kasse mit Werbeeinnahmen. Hohe Klickzahlen bedeuten ein großes Publikum und mit dieser Reichweite lässt sich viel Geld verdienen. Auch Hetze und Falschinformationen lassen sich im Plattformkapitalismus des 21. Jahrhunderts unter freundlicher Mithilfe von Google vergolden. Allerdings gibt es für Unternehmen die Möglichkeit, bestimmte Werbepartner zu sperren. Die Kampagnenplattform Campact wollte genauer wissen, welche Unternehmen eigentlich vor Videos der größten AfD-nahen Youtuber Werbung schalten lassen und damit die Reichweite von rechten Hetzerinnen belohnen.(…) Mit Abstand am häufigsten schaltete das Portal „Kleinanzeigen“ Werbung, ganze 1.223-mal ploppten deren Clips auf. Dahinter folgte der Bezahldienst Revolut mit 599 Nennungen, dann Sumup (420), Google Pay (333), BMW (225) und Tui (216). Über 100-mal tauchten noch die Firmen Avast, Toyota, Motorola, Trade Republic, Amazon, Samsung, Indeed und Volkswagen auf. Rund 90 weitere Unternehmen ploppten zwischen 5- und 100-mal auf. Campact fordert zum Boykott auf Die Kampagnenplattform schrieb daraufhin die rund 100 häufigst genannten Unternehmen an. Im Anschreiben macht Campact geltend, dass Youtube nicht nur Unterhaltungsplattform sei, sondern auch „zentraler Radikalisierungsort für die extreme Rechte“. Bestimmte Kanäle erreichten Millionenaufrufe und würden durch Werbeanzeigen aufgewertet und teils sogar mitfinanziert. (….) Gravenhorst sagte: „Die Reaktionen zeigen: Viele Unternehmen wollen nicht mit Hass und Hetze in Verbindung gebracht werden. Aldi Süd und Kleinanzeigen haben bereits Konsequenzen gezogen und die entsprechenden Hetzkanäle auf ihre Sperrliste gesetzt.“ Das sei ein erster Erfolg und gebe Rückenwind, weiterzumachen. Bei Unternehmen, die bisher noch nicht geantwortet haben, wolle man nun noch einmal nachhaken. Die untersuchten Kanäle sind 62 Accounts der rechtsradikalen Youtube-Bubble mit mindestens über 10.000 Abonnent*innen. Darunter rechtslibertäre Anlagepodcasts wie „hkcm“ und „Aktien mit Kopf“, aber auch ein Kanal vom vorbestraften Rocker und Ex-Polizisten Tim Kellner. Dazu der Account der AfD-Fraktion im Bundestag, KetzerDerNeuzeit, Compact TV, AchtungReichelt, Clownswelt, Nius.de und Vermietertagebuch. Interessant auch: Neben den üblichen rechten Streamern wie „Weichreite“ und „Eingollan“ und rechten Portalen wie Tichys Einblick, Auf1 und Epoch Times finden sich auch viele Accounts von AfD-Abgeordneten.
Bundesanwaltschaft ermittelt – Jungnazi soll Jungen zu Mord angestiftet haben – #terror
Ein Jugendlicher aus Rheinland-Pfalz soll Kinder zu schwersten Gewalttaten angestachelt haben, bis hin zum Mord. Nun ermittelt die Bundesanwaltschaft. Irgendwann gab es offenbar keine Grenzen mehr. Immer weiter soll der Rheinland-Pfälzer Kai M., 19 Jahre alt, mit seiner Onlinegruppe Jugendliche zu Straftaten angestachelt haben. Jungen in den USA und Schweden zu Brandstiftungen an Fahrzeugen. Ein Mädchen zu sexuellen Handlungen an sich mit einem Messer, bei dem sie schwer verletzt wurde. Und einen Minderjährigen in Russland zu einem Mord eines Kindes an einer Schule mit einem Messer. Und von all dem soll er Videos ins Internet gestellt haben. Am 17. März dann stoppte die Polizei die grausame Serie. Sie nahm Kai M. im Raum Trier fest – damals noch im Auftrag der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Die gab die Festnahme damals nicht bekannt, wegen der Persönlichkeitsrechte des jungen Beschuldigten und der laufenden Ermittlungen. Nun aber teilte am Donnerstag die Bundesanwaltschaft mit, dass sie den Fall von Kai M. übernommen hat. Der Vorwurf: Rädelsführerschaft in einer terroristischen Gruppe. Dazu kommen Anstiftung zum Mord, zu mehrfacher Brandstiftung, zu sexuellem Missbrauch eines Kindes oder die Verbreitung von Darstellungen von Kindesmissbrauch. Damit übernimmt die oberste Ermittlungsbehörde der Bundesrepublik erstmals einen Fall aus dem Feld der sogenannten COM-Szene. Diese steht für ein internationales Onlinenetzwerk, in dem Gewalt und Sadismus gefeiert werden – und gezielt nach Kindern und Jugendlichen als Opfern gesucht wird. Diese werden in Chats mit Drohungen zu Straftaten oder Erniedrigungen und Selbstverletzungen bis hin zu Suiziden gedrängt. Die Szene an sich ist nicht zwingend politisch. Im Fall der Gruppe von Kai M. aber inszenierte diese sich auch als rechtsextrem – weshalb nun die Bundesanwaltschaft den Fall übernahm. Tatvideos als Werbung für weitere Anschläge Kai M. soll sich bereits seit gut zwei Jahren in dieser Szene bewegt haben. Laut Bundesanwaltschaft gründete er Ende März 2024 zusammen mit anderen eine Onlinegruppe, die rechtsextreme Parolen verbreitete und schwerste Straftaten bis hin zu Morden ankündigte. Anders als bei anderen COM-Gruppen sei deren Ziel mit den Gewalttaten auch der Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung gewesen. Mit den Videos der Taten sollte Werbung für die Gruppe und weitere Anschläge gemacht werden.
via taz: Bundesanwaltschaft ermittelt Jungnazi soll Jungen zu Mord angestiftet haben
siehe auch: Terror per Chatgruppe Bundesanwalt ermittelt gegen Rechtsextremist und Online-Sadist. Ein im März in Rheinland-Pfalz festgenommener junger Mann soll sich als Anführer einer rechtsextremistischen Gruppe sowie einer Gruppe von Online-Sadisten entpuppt haben. Was ihm konkret vorgeworfen wird. Er soll über Chats einen minderjährigen Jungen in Russland dazu gebracht haben, an einer Schule ein Kind mit einem Messer zu töten. Und Jugendliche in den USA und in Schweden dazu, Fahrzeuge in Brand zu setzen. Und das ist längst nicht alles: Die Bundesanwaltschaft ermittelt nun gegen einen jungen Mann, der als Jugendlicher und Heranwachsender Mitglied in einer terroristischen und einer kriminellen Vereinigung gewesen sein soll. Jeweils als mutmaßlicher Rädelsführer habe er Menschen zu Straftaten bewegt. Der Mann wurde am 17. März festgenommen und ist in Untersuchungshaft, wie die Karlsruher Behörde mitteilte. Sie hat das Verfahren von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz übernommen. Der Mann soll deswegen auch einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Zuerst hatte der Südwestrundfunk darüber berichtet. Er soll über Chats einen minderjährigen Jungen in Russland dazu gebracht haben, an einer Schule ein Kind mit einem Messer zu töten. Und Jugendliche in den USA und in Schweden dazu, Fahrzeuge in Brand zu setzen. Und das ist längst nicht alles: Die Bundesanwaltschaft ermittelt nun gegen einen jungen Mann, der als Jugendlicher und Heranwachsender Mitglied in einer terroristischen und einer kriminellen Vereinigung gewesen sein soll. Jeweils als mutmaßlicher Rädelsführer habe er Menschen zu Straftaten bewegt. Der Mann wurde am 17. März festgenommen und ist in Untersuchungshaft, wie die Karlsruher Behörde mitteilte. Sie hat das Verfahren von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz übernommen. Der Mann soll deswegen auch einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs vorgeführt werden. Zuerst hatte der Südwestrundfunk darüber berichtet. Rechtsextreme Ideologie und sexuelle Handlungen mit Messer Die Liste der Vorwürfe ist lang: Der Beschuldigte soll spätestens Ende März 2024 eine Vereinigung gegründet haben, die von einer rechtsextremen Ideologie geprägt sei. Es sollten besonders schwerwiegende Straftaten wie Mord oder Totschlag begangen oder dazu aufgerufen werden, um den Zusammenbruch der gesellschaftlichen Ordnung herbeizuführen. „Bild- und Videomaterial solcher Taten werden in Chatgruppen bewusst geteilt, um Werbung für die Vereinigung sowie für künftige Anschläge zu machen.“ Außerdem geht es den Angaben nach um Anstiftung zu Mord und mehrfacher Brandstiftung, um Vergewaltigung und sexuellen Missbrauch eines Kindes, um bandenmäßige Verbreitung kinderpornographischer Inhalte, die öffentliche Aufforderung zu Straftaten, Billigung von Straftaten und Gewaltdarstellung. Konkret nennt die Bundesanwaltschaft die Beispiele aus Russland, den USA und der Schweiz. Ferner soll der Beschuldigte mutmaßlich in einer Chatgruppe zur Tötung eines US-Bürgers aufgerufen haben. „Schließlich besteht der Verdacht, dass der Beschuldigte über das Internet mit einem Kind im europäischen Ausland in Kontakt getreten ist und dieses dazu veranlasst hat, mit einem Messer sexuelle Handlungen an sich vorzunehmen“, heißt es in der Mitteilung. Das Opfer habe schwere Verletzungen erlitten. Von einigen Taten habe der Beschuldigte Videozusammenschnitte im Netz verbreitet.
Gefährliche Kampfsportler: Wie Rechtsextreme zu Stars der »Underground Fight Clubs« werden
Über millionenfach geklickte Videos machen »Underground Fight Clubs« auch deutsche Rechtsextreme zu Helden. Die Wirkung des Hypes auf Jugendliche ist umso gefährlicher. Es ist ein trister Abend im März 2026. Der Seiteneingang einer Soccerhalle in Duisburg ist geöffnet. Drinnen stehen dicht gedrängt überwiegend junge Männer um eine aus Heuballen errichtete Kampffläche. Ein stechender Schweißgeruch umgibt die Menge. Auf den umliegenden, mit Banden umrandeten Kunstrasenflächen wird weiter unbeeindruckt Fußball gespielt. Die sogenannte »Ruhrpott Fighting Championship« richtet einen Kampfabend aus, fernab des seriösen Kampfsports. In den Disziplinen Boxen, Kickboxen, Mixed Martial Arts (MMA) und Bareknuckle-Boxen – Boxen ohne Handschuhe – wird sich hier in Duisburg zumindest grob an den offiziellen Regularien orientiert. Die Qualität der Kämpfe dürfte sich deutlich unterhalb des Niveaus einer durchschnittlichen Amateur-Kampfgala bewegen. In einem der Hauptkämpfe stehen sich zwei junge Männer in blauen Jeanshosen und oberkörperfrei gegenüber. Sie schlagen mit blanken Fäusten aufeinander ein, bis einer der beiden K.O. geht. Einer der Männer ist ein Schweinfurter Rechtsextremist und Hooligan. Der 21-Jährige trägt etliche tätowierte Symbole der rechtsextremen Szene, einige sind strafbar. In der Soccerhalle in Duisburg scheint das niemanden zu interessieren. Der rechtsextreme Kämpfer sorgt für Spektakel, seinem Gegner lässt er keine Chance. Später landet das Video des Kampfes im Internet, einige Tausend klicken es an. Die politische Gesinnung des Schweinfurters wird nicht thematisiert. Dabei gäbe es über ihn einiges zu erzählen. (…) Europaweit herrscht ein anhaltender Hype um die sogenannten »Underground Fight Clubs«. Regeln gibt es in den neu erschaffenen Formaten kaum. Statt in einem Ring mit gefedertem Boden wird etwa zwischen Bauzäunen auf Asphalt gekämpft. Eine wilde, neue Szene wirkt berauscht von sich selbst und kreiert ihre eigenen Helden. Darunter finden sich Rechtsextreme aus ganz Europa, auch aus Deutschland sind Kämpfer dabei. Der Untergrund öffnet die Türen für rechtsextreme Ideologien – ein gefährliches Zusammentreffen. (…) Hass, Gewalt und ein rechtsextremes Weltbild sind auch in Europas größtem »Underground Fight Club« fester Bestandteil. Das aus dem schwedischen Göteborg stammende Format »King of the Streets«, kurz: Kots, hat auf YouTube über zwei Millionen Abonnenten, überträgt seine Veranstaltungen auf einem eigenen Pay-per-View-Kanal online und hat sogar eine eigene Kampfsportmarke etabliert. Kots gilt als der brutalste, organisierte Fightclub der Welt. Alles ist erlaubt, vom Griff in die Augen bis zum Tritt auf den Kopf des Gegners. Der Asphaltuntergrund ist so etwas wie das zweifelhafte Markenzeichen von Kots. Kampfsportler, Hooligans und Extremisten aus ganz Europa treten dort an streng geheimen Orten gegeneinander an. Ein Kampf ist erst zu Ende, wenn einer der Kämpfer sich nicht mehr wehren kann. Zu den Kots-Stars gehören auch Rechtsextreme. Einer von ihnen ist der Slowake Michal »Panzer« Petris, dessen rechtsextreme Gesinnung durch seine Tätowierungen unübersehbar ist. Aktuell sitzt der MMA-Kämpfer in seiner Heimat für mehrere Jahre im Gefängnis. Die rechtsextreme Kleidermarke und frühere Veranstaltungsreihe »Kampf der Nibelungen« des bekannten deutschen Neonazis Alexander Deptolla verkauft Solidarität-T-Shirts für den Slowaken. Er erfährt von der in Deutschland neu entstandenen rechtsextrem angehauchten Mischszene um die »Underground Fight Clubs« Unterstützung. Diese lassen also Rechtsextreme gewähren, Rechtsextreme dominieren aber auch zunehmend die Fight Clubs – und nutzen sie zur Rekrutierung gewaltbereiter Jugendlicher.
via zeit: Gefährliche Kampfsportler: Wie Rechtsextreme zu Stars der »Underground Fight Clubs« werden
Neo-Nazi Active Clubs Increasingly Recruiting Teenage Boys And Girls
Since 2025, the number of neo-Nazi Active Clubs has increased by 28 percent, with many dedicated to training white supremacist teenage boys and girls. Youth Clubs have seen their chapter numbers increase by 142 percent. Since publishing Neo-Nazi Active Clubs Spreading Globally, Allying with Similar Extremists, and Taking to the Streets in October 2023 and Active Club Chapters Growing Globally in June 2025, the Global Project Against Hate and Extremism (GPAHE) continues to monitor the Active Club (AC) movement globally. GPAHE’s most recent investigation into these white supremacist fighting groups has revealed a 28 percent increase in Active Club (AC) chapters, along with a 142 percent increase in Youth Clubs, which are Active Club chapters reserved for teenagers aged 15 to 18 years old. These chapters, which now include girls-only groups, are using mainstream social media platforms, such as Instagram and YouTube, to recruit new members. Including Youth Clubs, there are now 220 active AC chapters in 33 countries – representing a 28 percent increase in chapters from the 187 active chapters in 27 countries recorded by GPAHE in June 2025. Likewise, Youth Clubs (included in the above count) have seen their chapter numbers grow from 19 in 2025 to 46 in 2026, a staggering 142 percent increase. The United States alone saw the creation of thirteen Youth Clubs over the past year. Since 2023, GPAHE has identified 298 Active Club chapters, of which 78 have either had their social media accounts deleted, have not posted to their accounts since January 2026, or lack other evidence showing they are still functioning. It is unclear whether any of these groups have truly disbanded, simply been deplatformed, or are operating underground. Active Clubs are part of a transnational neo-Nazi movement that engages in physical training, such as mixed martial arts (MMA), collaborates with other extremists worldwide (such as at the annual far-right C9M march in France), and spreads hate propaganda through stickering, banner drops, and posting videos online. The movement was conceived by neo-Nazis Robert Rundo and Denis Kasputin under their “White Nationalism 3.0” model, which encourages the creation of an international, decentralized movement of groups working towards the fascist ideal of becoming physically fit “super men” which act as, according to Rundo, “minutemen in the early stages of the revolutionary war” (i.e., a race war). In March 2026, Active Clubs and the violent ideology that drives their existence were deemed as posing a risk for “extreme violence” by Public Safety Canada (PSC). PSC’s report claimed Active Clubs are known to radicalize members towards “ideologically motivated violent extremism,” which rationalizes violence against Jews, people of color, and LGBTQ+ people. As such, Active Clubs’ continued physical combat training, including cross-state, cross-organizational, and transnational collaborations are concerning. In early 2026, the Lone Star Active Club, based in Texas, and the Pennsylvania Active Club took part in a “Forest Fights” event alongside members of other white nationalist groups including the Wolves of Vinland, the Patriot Front, and a member of the Hammerskin Nation, a transnational racist skinhead gang with chapters in North America, South America, Europe, and Australia. The “forest fights” are a tool that brings white supremacists together from across the U.S., creates propaganda, and, more concerning, serves as a bridge between organizations and individuals already connected to violent white nationalist organizations. In a March 2026 post written by Rundo on his Substack blog, he praised the Forest Fights event, adding that “these events are a tip off point for a fascist cultural revolution,” and “the first step in building our own parallel system.”
via gpahe: Neo-Nazi Active Clubs Increasingly Recruiting Teenage Boys And Girls
Staatsschutz ermittelt – AfD Rhein-Sieg benutzt verbotene SA-Parole
Der Info-Stand endete für die AfD im Rhein-Sieg-Kreis mit einer Anzeige. Der Grund: In einem Video vom Stand wird dieselbe verbotene Parole benutzt, für die Parteikollegen bereits rechtskräftig verurteilt wurden. Experten sagen, wie gefährlich das ist. Am Ortseingang nach Siegburg, an der Bonner Straße hatte die AfD vor einigen Tagen ihren Info-Stand platziert. Das endete für die Rechtspopulisten aus dem Kreis mit einer Anzeige. Nun ermittelt der Staatsschutz in Bonn. Der Grund für die Anzeige: Vier Teilnehmer des Infostands nahmen ein Video auf, das schließlich in den sozialen Netzwerken landete. Deutlich hörbar benutzt ein Teilnehmer in diesem Video die verbotene Parole „Alles für Deutschland“. Im Wortlaut sagt er: „Alles für Deutschland ist die richtige Parole.“ Einer reckt den Daumen in die Höhe, ein weiterer lacht. Gepostet wurde das Video auf einem Privataccount mit der Überschrift „Alles für Deutschland. Rhein-Sieg-Kreis in Aktion“. Das Video liegt der Redaktion vor, ebenso ein Screenshot des Postings, das inzwischen gelöscht wurde. Zu den Teilnehmern, die in dem Video zu sehen sind, gehört auch Edgar Lenzen, Sprecher der AfD Rhein-Sieg. Das sagt der ehemalige Verfassungsschützer „Jeder in der AfD, der diesen Satz verwendet, weiß, dass dieser Satz verfassungswidrig und verboten ist“, sagt Winfried Ridder, ehemaliger Verfassungsschützer aus Sankt Augustin. Es ist nicht das erste Mal, dass ein AfD-Mitglied diese Parole verwendet. Der wohl prominenteste Fall dürfte der des Faschisten Björn Höcke aus Thüringen sein, der deswegen von Landgericht Halle an der Saale mehrfach zu hohen Geldstrafen verurteilt wurde – die Urteile bestätigte nach Revision auch der Bundesgerichtshof.
via GA: Staatsschutz ermittelt AfD Rhein-Sieg benutzt verbotene SA-Parole
Vigilante Murder Raises Fears of Russian Neo-Nazi Influence in Bulgaria – #terror #tesak
After a ‘paedophile hunt’ by teenagers in Plovdiv resulted in a livestreamed murder, police are trying to crack down on a neo-Nazi subculture influenced by Russia’s far-right skinhead movement. The sadistic murder of a 37-year-old man by a group of teenagers in the city of Plovdiv has sparked a heated debate about neo-Nazi influence on local youth and highlighted the issue of vigilante activity in Bulgaria. Georgi Kuzev, from the small town Krichim, died of his injuries on August 5, several hours after a beating that was partially livestreamed on TikTok by teenagers who had concocted a scheme to track, lure and then attack alleged paedophiles. Kuzev was lured to meet a 17-year-old girl who had posed as a 15-year-old in their correspondence. Five teenagers, three boys and two girls, have been charged with murder. However, pictures from the attack which made their way into the media suggest there may have been a larger group of teenagers involved in the attack on Kuzev. The pictures in which the teenagers pose next to Kuzev’s bloodied body also give a new reading of the events: all of the teenagers are making the gesture of a clenched fist with the thumb bent or pointed upward and then inward. Called the “Tesak gesture”, it is associated with Maxim Martsinkevich (1984-2020), a notorious Russian neo-Nazi activist who was nicknamed Tesak (meaning “Hatchet” or “Cleaver”). The gesture became an ideological symbol of violent, vigilante-style and extremist behaviour against people accused of being involved with minors. It also became a symbol of support for violence against marginalised sexual and ethnic groups, which overlaps with the practices of white power skinhead subcultures. (…) Numerous groups, predominantly on Telegram, are still posting content influenced by Simeonov and Tesak about capturing alleged paedophiles in different Bulgarian towns. On TikTok, similar activities are often accompanied by hashtags with Simeonov’s name, probably for him to see what he inspired.
via balkan insight: Vigilante Murder Raises Fears of Russian Neo-Nazi Influence in Bulgaria
siehe dazu auch: Bulgarian police arrest 18 in Plovdiv linked to neo-Nazi ‘Blood and Honour’. (…) He said that none of those had been present at the murder of Georgi Kuzev on Mladeshki Hulm, but were there were people with links to those who had been present at the murder. Kostadinov was referring to the vicious killing of Kuzev by a group of youths who allegedly were inspired by a Russian neo-Nazi. (…) The connection between the two young men who assaulted the Nepalese citizens – who are long-term residents of Plovdiv – and the group from the Mladeshki Hulm killing was established during the investigation into the murder of Kuzev. The attack on the Nepalese citizens was also captured on video
Wegen Verdacht auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug – Influencer Karl Ess sitzt in U-Haft
Karl Ess erlangte im Internet mit Fitnessvideos Berühmtheit und war einer der ersten Fitness-Influencer. Nun sitzt er aufgrund eines Haftbefehls in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft München WELT gegenüber bestätigt. Am 22. Juli versuchte Karl Ess mal wieder, Kundschaft zu ködern. In der gehobenen Abteilung eines Linienflugzeugs nimmt der Influencer ein Video für seine mehr als 500.000 Anhänger auf Instagram auf. Die Botschaft des Filmchens: Wer in Deutschland mehr als 4000 Euro netto verdiene, müsse in Immobilien investieren. Die Investitionen in Betongold würden sich durch Mieteinnahmen und Steuerersparnisse von selbst abzahlen, da ist sich Ess sicher. Bei Interesse solle man sich bei ihm melden. Gemeinsam würde man dann an dem Finanzplan mit Immobilien tüfteln. Karl Ess lockt: „Schreib mir das Wort ‚10-Jahres-Plan’. Ich setz mich mit dir in Verbindung.“ Eine Kontaktaufnahme von potenziellen Interessenten dürfte sich knapp drei Wochen nach Veröffentlichung dieses Videos eher schwierig gestalten. Karl Ess sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München 1 verdächtigt den Influencer des gewerbsmäßigen Bandenbetrugs. Konkret soll Ess bei dubiosen Immobiliengeschäften mutmaßliche Opfer geprellt haben. Staatsanwalt Florian Lindemann erklärt auf Anfrage von Business Insider und WELT: „Der Beschuldigte Karl Christian E. wurde aufgrund eines Haftbefehls des Amtsgerichts München festgenommen und befindet sich seitdem in Haft.“
via welt: Wegen Verdacht auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug – Influencer Karl Ess sitzt in U-Haft
siehe dazu auch: Maskulin und libertär Wie Influencer Rechtspopulisten den Weg bereiten (2025). Echte Männer sind rechts“ – das auf Social Media viral gegangene Video des AfD-Politikers Maximilian Krah ist mehr als nur ein lapidares Bekenntnis zu traditionellen Familien- und Geschlechterrollen. Es ist vielmehr der strategische Versuch, junge Menschen niedrigschwellig an AfD-Positionen heranzuführen.[1] Im provokanten Politainmentstil bespielt die Partei auf den digitalen Plattformen unpolitisch anmutende Themen rund um die Probleme und persönlichen Unsicherheiten junger Männer und spricht diese damit direkt an. Aussagen wie „Du bist kein non-binäres Einhorn“[2] sollen die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht bekräftigen und vermitteln darüber hinaus eine klare Vorstellung davon, wie soziale Realität und gesellschaftliche Ordnung auszusehen haben. (…) Ähnlich wie Tate beklagt auch Ess eine Verweichlichung vieler Männer, die sich zunehmend vom traditionellen Rollenbild des physischen Versorgers abwendeten. Und wie Tate führt auch Ess die behauptete Krise der Männlichkeit auf den Feminismus zurück, der die natürliche Unterordnung der Frau unter den Mann verkehre, sodass es „fast schon sozial völlig akzeptiert“ sei, „dass eine Frau sich scheidet und fremdgeht […], und dann ist es auch noch die Schuld vom Mann“.[15] Auch Ess nimmt in seiner Kritik das liberaldemokratische System ins Visier: Dieses sei mit seiner wohlfahrtsstaatlichen Ausrichtung darauf ausgelegt, Männer zu unterwürfigen Verlierern zu machen. Symptomatisch hierfür stehe das Bürgergeld, das dem Mann seinen natürlichen Antrieb nehme, die Frau zu versorgen. Die dadurch verstärkte Krise des männlichen Daseins bewirke gar einen wirtschaftlichen Einbruch der gesellschaftlichen Produktivität.[16] Die Verantwortung dafür trügen laut Ess die linksliberale Politik sowie Frauen als Wählerinnen dieser Parteien, während die AfD die einzige Partei sei, die sich gegen diesen „linken, grünen, kommunismusmäßigen Schwachsinn“[17] richte – ein indirekter Wahlaufruf.[18] Dabei behauptet er auch, dass die AfD eigentlich eine schweigende Mehrheit vertrete.[19] Indem er die eigene Position mit dem vermeintlichen „Willen des Volkes“ gleichsetzt, das angeblich gegen korrupte Eliten verteidigt werden müsse, bedient sich Ess einer typischen Erzählung des autoritären Populismus. Liberale Institutionen gelten in dieser als Hindernis für den Volkswillen. Und so kann es kaum verwundern, dass Ess in seinen Videos schließlich auch das demokratische System als solches infrage stellt – durch einen Vergleich mit Unternehmen, die auch nicht demokratisch organisiert seien.[20] Damit aber legitimiert Ess letztlich autokratische Herrschaft