Straßensperrungen, Proteste und ein Polizei-Großaufgebot stehen Gießen zum Gründungstreffen der AfD-Jugendorganisation am Samstag bevor. Händler fürchten Millionenverluste, Uniklinik und Netzanbieter bereiten sich vor. Wenn am kommenden Samstag die neue Jugendorganisation der AfD in den Gießener Hessenhallen zu ihrem Gründungstreffen zusammenkommt, werden draußen massive Gegenproteste mit rund 50.000 Teilnehmern aus ganz Deutschland erwartet. Das stellt nicht nur Bevölkerung und Einsatzkräfte vor Herausforderungen: Einzelhändler und Betreiber von Verkaufsbuden schauen bang auf dieses erste Adventswochenende und auch die kritische Infrastruktur Gießens dürfte die erwarteten Menschenmassen zu spüren bekommen. Weitere Informationen Präsenzpflicht an Innenstadt-Schulen aufgehoben Wegen der Proteste und der Absperrungen, die von Freitagabend an eingerichtet werden, wird für die Schulen im Gießener Innenstadtbereich sowie für Schulen in innenstadtnahen Stadtteilen am Freitag die Präsenzpflicht ausgesetzt. (…) Für Budenbetreiber von Weihnachts- und Wochenmarkt ist das Wochenende mit dem ersten Advent einer der wichtigsten Zeitpunkte im Geschäft. So auch für Rico Ried, der belgische Pommes auf dem gerade geöffneten Weihnachtsmarkt verkauft. “Wir werden abbauen und am Samstag nicht kommen”, sagt er. “Das ist uns zu unsicher.” (…) Ein Händler, der nicht nur öffnen, sondern sich auf seine eigene Weise am Protest beteiligen will, ist Arno Jung. Er betreibt ein Postkartengeschäft am Kirchenplatz und will seine Schaufenster komplett mit antifaschistischen Botschaften auskleiden. In seinem Schaufenster sollen Zitate aufgehängt werden, etwa von der kürzlich verstorbenen Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer: “Schaut nicht auf das, was euch trennt, schaut auf das, was euch verbindet. Seid Menschen.” Arno Jung sagt, er wolle einen Beitrag zur Normalität leisten, indem er öffne. Die Mitte dürfe den Gewaltbereiten nicht das Protestfeld überlassen.
via hessenschau: Gründung von AfD-Jugendorganisation Händler in Gießen fürchten Millionenverlust
siehe auch: Proteste gegen rechts in Gießen: Junge Brandstifter blockieren Zehntausende wollen versuchen, den Gründungskongress der neuen AfD-Jugend zu verhindern. Am kommenden Wochenende steigt in Gießen die größte antifaschistische Mobilisierung des Jahres. Zehntausende Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet reisen an, um sich der geplanten Neugründung der AfD-Jugendorganisation entgegenzustellen. Während konservative Medien und die Stadt ein Szenario aus »Chaos« und Einmarsch »der« Antifa beschwören, stellt sich vor Ort eine andere Frage: Was tun, wenn eine rechtsradikale Partei ungestört ihre Nachwuchskaderschmiede eröffnen darf? »Wir werden am Wochenende massenhaft Faschist*innen blockieren. Damit leisten wir den notwendigen gesellschaftlichen Widerstand, um Faschismus aufzuhalten«, kündigt die Sprecher*in von »Widersetzen Hamburg«, Noa Sander, im Gespräch mit »nd« an. Mit Buskonvois werden sie und ihre Mitstreiter*innen anreisen. Die alte AfD-Nachwuchsorganisation »Junge Alternative« wurde nach Überzeugung der Antifaschist*innen nicht grundlos aufgelöst. Die Neugründung sei ein »Täuschungsmanöver«, denn die Inhalte hätten sich nicht verändert, sagt der Sprecher von »Widersetzen«, Suraj Mailitafi: »Hass auf Migrant*innen, Queers und arme Menschen, eine ideologische Nähe zu faschistischen Denkfiguren und rechtsterroristischen Milieus«. »Ihre Funktion als Kaderschmiede des Rechtsextremismus war offensichtlich«, ist auch der Linke-Bundestagsabgeordnete Luke Hoß überzeugt. Er fährt als parlamentarischer Beobachter nach Gießen und will »vor allem der Polizei auf die Finger schauen«.