Lange terrorisierte Russland die Ukraine mit Angriffen gegen die Energieinfrastruktur. Nun schlägt das Land zurück und treibt Putins Ölbranche in die Krise. Es sind Szenen, die die meisten Russinnen und Russen bisher vor allem aus Berichten über die angegriffene Ukraine kennen. Erst heulen im russischen Belgorod die Sirenen, dann schlagen zwei Raketen im Kraftwerk der Stadt ein. Handyaufnahmen, entstanden am 6. Oktober, zeigen die Folgen des Angriffs: In zahlreichen Wohnblöcken der 340.000-Einwohner-Stadt bleiben die Fenster abends dunkel, Straßenlaternen und Ampeln fallen aus, ätzende Rauchwolken ziehen über die Stadt. (…) Besonders empfindlich für Russland sind bisher die Angriffe auf die Raffinerien des Landes. Seit Anfang August trafen ukrainische Drohnen mindestens 18 große Anlagen zur Ölverarbeitung. Dabei zielen die Drohnen vor allem auf die Vakuumdestillatoren, in denen das Rohöl zur Weiterverarbeitung aufbereitet wird. Fällt eine solche Anlage aus, muss der ganze Produktionsstrang stillgelegt werden. Die Reparatur kann Wochen, wenn nicht Monate dauern. (…) Weil vor allem Benzin in dem ölreichen Land nun knapper wird, halten Ölkonzerne ihre Produktion für den Verkauf in eigenen Tankstellen zurück. Die restlichen Händler ohne eigene Verarbeitungsanlagen bekommen schwerer Nachschub oder machen wegen der hohen Einkaufspreise Verluste. Allein in Südrussland haben deswegen rund 14 Prozent der Tankstellen ihre Arbeit eingestellt, zeigen Zahlen der Beratungsfirma OMT-Konsalt. Auf der besetzten Krim, wo es kaum Filialen großer Ketten gibt, war jüngst sogar fast die Hälfte der Zapfsäulen außer Betrieb. Wo es noch Benzin gibt, bilden sich mancherorts Schlangen. Um Vorratskäufe zu verhindern, begrenzen einige Tankstellen die Menge pro Tankvorgang auf 30 Liter pro Kunde

via zeit: Russische Ölwirtschaft: Jetzt kommt die Vergeltung