Rund 140 Menschen protestieren gegen die AfD und ihren Windkraft-Vortrag, während sich etwa 50 Anhänger in der Turmstube treffen. Der Bürgermeister hätte dies „gern vermieden“. Grafing – Während die Gegendemonstranten auf dem Grafinger Volksfestplatz im Nieselregen ausharren, stehen zwei Gäste der AfD in der warmen Turmstube der Stadthalle und gruseln sich. „Würde mich nicht wundern, wenn diese Linken gleich hier reinkommen und Randale machen“, sagt ein Mann zu einer Frau, die neben ihm am Tresen steht. Sie nickt ernst und sagt: „Die sind zu allem fähig, mit ihrer Toleranz.“ Der AfD-Kreisverband um seinen Vorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Christoph Birghan aus Steinhöring hatte am Montagabend die Turmstube für einen Vortrag reserviert. Vor rund 50 Besuchern sprach der Youtube-Filmemacher Stefan Spiegelsperger aus dem Landkreis Traunstein unter dem Titel „Windkraft und Stress im Stromnetz“. Sein Publikum erreicht er mit Prophezeiungen eines unmittelbar bevorstehenden Blackouts und „Prepper“-Tipps zur Vorsorge gegen alle möglichen Untergangszenarien. Bei der Gegendemo auf dem Grafinger Volksfestplatz zählte die Polizei knapp 140 Teilnehmer. © Josef Ametsbichler Der Auftritt ruft nach polizeilicher Schätzung knapp 140 Menschen zur Gegenkundgebung auf den Plan, zusammengetrommelt von Linken-Stadträtin Lena Huppertz und dem landkreisweiten Demokratiebündnis „Bunt statt Braun“. In der nassen Herbstabendkälte schenken Demonstrantinnen wärmenden Eintopf und Tee aus, zwischen „Rote Karte für die AfD“-Schildern und „Omas gegen Rechts“-Regenschirmen. Am Gymnasium gegenüber weht ein buntes Stoffbanner mit der Aufschrift: „Wir sind nicht verantwortlich für das, was geschah. Aber dafür, dass es nicht wieder geschieht.“ Die Schule ist benannt nach dem Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer.
via merkur: Blackout-Prophet und Regen-Demo: Rathaus Grafing unglücklich, aber machtlos bei AfD-Veranstaltung