In Deutschland steht sein Ex-Assistent wegen Spionage vor Gericht, nun gibt AfD-Politiker Maximilian Krah einem mutmaßlichen Spion aus Polen ein Interview. Der hat enge Kontakte zur AfD. Krah gibt sich ahnungslos. Ein Parteikollege habe die Empfehlung gegeben. Eigentlich hat AfD-Politiker Maximilian Krah gerade genug Probleme – könnte man meinen. Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden ermittelt gegen ihn wegen möglicher Zahlungen aus China. Der Verdacht: Bestechlichkeit und Geldwäsche. Ein anderes Vorermittlungsverfahren läuft gegen ihn wegen angeblicher russischer Zahlungen und seiner Rolle im prorussischen Desinformations-Netzwerk “Voice of Europe”. In rund zwei Wochen wird Krah in Dresden vor Gericht außerdem als Zeuge im Spionage-Prozess um seinen ehemaligen Assistenten Jian G. aussagen. Der Vorwurf gegen G.: jahrelange Spionage für China, das Abgreifen sensibler Informationen – auch aus Krahs Abgeordnetenbüro in Brüssel heraus. Immer wieder steht dabei der Vorwurf im Raum: Krah, der inzwischen im Bundestag sitzt, stehe den autoritären Regimen in Russland und China zu nahe, lasse sich beeinflussen, womöglich sogar von ihnen bezahlen. Krah bestreitet die Vorwürfe. Angesichts des gerade angelaufenen Verfahrens gegen seinen Ex-Mitarbeiter Jian G. aber scheint er sich seit Wochen auch in einer Öffentlichkeits-Gegenoffensive zu befinden: Mal lässt er sich von einem Berliner Rapper interviewen, mal postet er ein Video mit dem slowakischen Rechtsradikalen Milan Mazurek – zwischen den beiden auf dem Tisch: eine Waffe. Krah scheint dabei der Strategie zu folgen, die er auch schon als Spitzenkandidat der AfD für die EU-Wahl 2024 hatte: Aufregung und Aufmerksamkeit um jeden Preis – und damit, in diesen Zeiten: Ablenkung. Nun aber hat Krah einen Gesprächspartner ausgewählt, der nicht taugt, von den Spionage- und Schmiergeld-Vorwürfen abzulenken. Gerade hat er sich von Mateusz Piskorski interviewen lassen, den Polen der Spionage für Russland anklagt. Piskorski saß ab 2016 in Haft, seit 2019 ist er auf Kaution draußen. Doch die Vorwürfe gegen ihn sind nicht ausgeräumt: Seit Jahren läuft ein Prozess gegen ihn, mehr als 60 Anhörungen hat es bereits gegeben. Das Verfahren findet hinter geschlossenen Türen und unter höchster Geheimhaltung statt. Der Stand ist deswegen unklar, ein Urteil ist bisher nicht gefällt worden. “Wahlbeobachtung” im Sinne des Kremls In hohen Tönen preist der mutmaßliche Spion Piskorski das Gespräch mit Krah auf der Plattform X an: Er spreche hier mit dem “führenden Ideologen der Alternative für Deutschland”, behauptet Piskorski da. Hochgeladen wurde das Video vor zwei Tagen auf YouTube, der Titel lautet: “Europa in einer liberalen Depression”. Krah teilte den Link zum Interview und Piskorskis Ankündigung am Donnerstag, ebenfalls auf der Plattform X: “Nun ist mein Podcast auch auf Polnisch verfügbar!”, schrieb er dazu.
via t-online: Gesprächspartner soll Spion für Russland sein AfD-Politiker Krah gibt brisantes Interview