Der CDU-Bürgermeister von Bad Freienwalde relativiert die mutmaßlich rechtsextreme Gewalt in der Kurstadt. Anders als der von der AfD unterstützte Bürgermeisterkandidat, der deutliche Worte findet. Etwa ein dutzend Vermummte, die aus dem Nichts ein friedliches Familienfest mit Quarzhandschuhen und Schlagwerkzeugen angreifen. Mindestens zwei verletzte Besucher und ein Innenminister, der sich an sein eigenes Aufwachsen im Brandenburg der 90er Jahre erinnert fühlt. Über die mutmaßlich rechtsextrem motivierte, überfallartige Attacke auf das Bad Freienwalder Vielfaltsfests ist ausführlich berichtet worden. Nun sorgt die Reaktion von Stadtoberhaupt Ralf Lehmann (CDU) bei Betroffenen des Angriffs für Entsetzen. Die Attacke spielte sich am Sonntagmittag kurz vor Beginn der Veranstaltung der lokalen Initiative „Bad Freienwalde ist bunt“ direkt vor den Türen des Rathauses auf dem lokalen Marktplatz ab. Doch anders als Brandenburgs Innenminister René Wilke (parteilos) war Bürgermeister Lehmann am Sonntag nicht am Tatort erschienen. Wilke hatte eine Veranstaltung in Frankfurt (Oder) kurzfristig abgesagt, um stattdessen in Bad Freienwalde mit Betroffenen und Polizisten zu sprechen. Bürgermeister relativiert Eine Tagesspiegel-Anfrage an das Rathaus mit der Bitte um Stellungnahme zu den Geschehnissen bleibt seit Montag unbeantwortet. Mehr Glück hatte der RBB, der vom Bürgermeister zum Interview empfangen wurde. In mehreren Aussagen relativiert der 62-jährige CDU-Politiker die Attacke vom Sonntag und widerspricht damit sowohl der Polizei, als auch Augenzeugen. Nach jetzigem Kenntnisstand sei der Vorfall kein Angriff, sondern lediglich eine „Störung“, sagte Lehmann dem RBB: „Da sind welche gewesen und sie wollten stören. Und ein anderer wollte ihn festhalten, um herauszufinden: Wer ist es? Nun kann man sagen, der hätte ihn nicht hauen dürfen. Der andere hätte ihn aber auch nicht festhalten dürfen. Das sind Sachen, wo ich sage: Wer will wen denn jetzt verurteilen und wofür?“ Der RBB zitiert den Bürgermeister außerdem mit den Worten, „die Medien“ hätten die Geschehnisse „aufgebauscht“.

via tagesspiegel: Überfall auf Vielfaltsfest in Bad Freienwalde: Für das Stadtoberhaupt nur eine „Störung“

siehe auch: Brandenburg Verein wirft Bad Freienwalder Bürgermeister Verharmlosung von Angriff vor. Bad Freienwalde kommt nach dem Angriff auf ein Vielfaltsfest nicht zur Ruhe. Nun steht der Bürgermeister der Stadt in Märkisch-Oderland für seinen Umgang mit der Attacke in der Kritik.Nach dem gewaltsamen Angriff auf eine Kundgebung gegen Rechts in Bad Freienwalde hat eine Initiative dem Bürgermeister der Kleinstadt, Ralf Lehmann (CDU), vorgeworfen, die Attacke herunterzuspielen. Mit einem offenen Brief richtete sich der Verein “Wir packen’s an” an den Rathauschef und kritisierte, dass er den Angriff als Störung relativiere. Auch Anteilnahme habe er nicht gezeigt und keinen Kontakt zu Betroffenen gesucht.   Der Bürgermeister hatte im rbb-Fernsehen gesagt: “Da sind welche gewesen und wollten stören – und ein anderer wollte ihn festhalten, um rauszufinden, wer ist es.” Zu dem offenen Brief und der Kritik wollte sich Lehmann auf Anfrage nicht äußern. Er sagte am Vormittag der dpa: “Wir warten die Ermittlungen ab.” Lehmann hatte am Montag im rbb betont, dass Gewalt kein Mittel sei. “Das alles als Konsequenz einer “Störung”, wie Sie es bezeichnen, abzutun, halten wir für fahrlässig und gefährlich”, kritisiert der Verein “Wir packen’s an” in dem Brief an Lehmann. “Ihre Einschätzung in der Presse irritiert und erschüttert uns sehr. Im Gegensatz zum Brandenburger Innenminister Herrn René Wilke hielten Sie einen Besuch der Veranstaltung nicht für nötig.”   Lisa Clara Burger, Sprecherin des Vereins “Wir packen’s an”, ergänzte gegenüber dem rbb: “Ich kann nicht nachvollziehen, dass hier keinerlei Verständnis, Solidarität, Betroffenheit ausgedrückt wird.” Der Verein wünsche sich ein Signal des Bürgermeisters, dass er zivilgesellschaftliches Engagement in Bad Freienwalde in Zukunft schützen will, so Burger.