Die Drohnen der Ukraine flogen teilweise autonom mit einer Open-Source-Software. Die Bilderkennung wurde anhand von ausgemusterten Flugzeugen trainiert. Der spektakuläre ukrainische Angriff auf russische Luftwaffenbasen im ganzen Land wäre ohne den Einsatz von Machine Learning und Künstlicher Intelligenz nicht möglich gewesen. (…) Da die Flugzeugrümpfe immer noch die gleichen sind, konnten die charakteristischen Merkmale der Flugzeuge in eine Software eingespeist werden, sodass der Bilderkennungsalgorithmus die entsprechenden Typen auf den russischen Militärflugplätzen ansteuern und zerstören konnte. Gestartet wurden die Drohnen von in der Nähe geparkten Lkws einer zum Schein gegründeten Spedition. Der Flug selbst dürfte in Teilen autonom erfolgt sein. Wie das Center for Strategic and International Studies berichtet demonstrierte die Ukraine einen hybriden Ansatz der Drohnenkriegsführung, der menschliche Fernsteuerung mit Elementen der Autonomie und KI-Unterstützung kombinierte. “Die Operation war zwar nicht vollständig autonom, aber die vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die künstliche Intelligenz sowohl bei der Flugstabilität als auch bei der Zielerfassung eine unterstützende Rolle spielte.” Laut Oberst Markus Reisner vom österreichischen Bundesheer dürfte sich die Ukraine für die Bildübertragung des russischen Mobilfunknetzes bedient haben. (…) Pro Flugplatz dürften etwa 30 Drohnen abgesetzt worden sein. Nachdem die zu Startplattformen umfunktionierten Lkws geparkt waren, übernahm die Software. Wie Golem berichtet, handelte es sich dabei um das Open-Source-Programm Ardupilot. Dies geht aus Bildmaterial der Drohnen hervor, auf dem die Benutzeroberfläche des Programms zu erkennen ist. In diesem ist es möglich, die Firmware der Autopiloten auf der Drohne selbst zu überschreiben. Der zweite Teil des Pakets ist ein Missionsplaner, der auf einem ganz gewöhnlichen PC ausgeführt wird. Hier ist es möglich, Wegpunkte, Flugrouten sowie Start- und Endpunkte zu definieren. Eigentlich war die Software dafür gedacht, autonom Geländeaufnahmen anzufertigen – es liegt auf der Hand, dass sich eine solche Lösung auch militärisch nutzen lässt. Dieser vordefinierte Anflug hat den Vorteil, dass keine Piloten ihr Leben riskieren müssen. Die Drohne findet ihren Weg selbstständig und ist dabei auch gegen Störversuche weitgehend immun. Störsender zielen meist darauf ab, das Funksignal zwischen Pilot und Drohne zu stören. Ist die Drohne an ihrem Ziel – in diesem Fall die russischen Flugplätze Belaja, Djagilewo, Iwanowo und Olenja – angekommen, erkennt die Bilderkennung die Charakteristika der dort abgestellten Bomber und geht selbstständig zum Angriff über. Die Ukraine hat in der Vergangenheit schon mehrfach bewiesen, dass sie über die Möglichkeit verfügt, Drohnen autonom ins Ziel zu lenken. Neben drahtgelenkten Drohnen gelten autonom angreifende Flugkörper als bestes Mittel, um die russischen Störmaßnahmen zu durchbrechen. Mit Software wie Ardupilot ist es möglich, so ziemlich jedes Fahr- und Flugzeug zu steuern, selbst U-Boote können so programmiert werden. Die Autopilot-Module sind ebenfalls oft quelloffen verfügbar, wie Golem berichtet
via standard: Wie Künstliche Intelligenz die Operation Spinnennetz der Ukraine möglich machte
siehe auch: ARDUPILOT : Die Software hinter Operation Spinnennetz Hinter dem Angriff der Ukraine auf Russlands strategische Bomber steckt Open-Source-Software. Wir zeigen, was Ardupilot für Drohnen so attraktiv macht. Dass seine Software einmal Kamikazedrohnen in strategische Bomber steuern würde, damit hat Jordi Munoz sicher nicht gerechnet, als er 2007 die Entwicklung von Ardupilot begann. Die kursierenden Videos zum Angriff der Ukraine auf russische Luftwaffenstützpunkte zeigen, dass die Open-Source-Software einen wichtigen Anteil am Erfolg der Operation hatte. Ein genauerer Blick zeigt, weshalb. Die große Herausforderung: Abgesetzt wurden die wohl rund 30 Drohnen pro Angriff in der Nähe der Militärflughäfen. Von den auf Lkw transportierten Tiny Houses, in denen sie versteckt waren, mussten sie zunächst zum jeweiligen Ziel gelangen. Diese Aufgabe – und noch viel mehr – kann Ardupilot übernehmen. Genau genommen handelt es sich dabei um zwei Programme: einmal die Firmware, die auf dem Mikrocontroller einer als Autopilot bezeichneten Steuerplatine läuft, und dem Mission Planner. Bei Letzterem handelt es sich um eine Windows-Anwendung, die nicht nur zur Konfiguration der Firmware dient, sondern mit der auch Flugrouten definiert werden können. Dazu werden Wegpunkte festgelegt, welche die Drohne dann anfliegt. Gedacht ist das eigentlich, um etwa autonom Gelände zu fotografieren – aber wie so oft lässt sich Ziviles natürlich auch militärisch nutzen, was der Krieg gegen die Ukraine wie kein anderer zeigt (…) Damit müsste nicht einmal ein Mensch den Endanflug übernehmen, sondern lediglich noch das Ziel auswählen. Auch bei den Angriffen auf Russlands strategische Bomber kursiert die Behauptung, die Drohnen seien mittels Bilderkennung ins Ziel gelenkt worden. Selbst wenn die Drohnen aber manuell ins Ziel gesteuert worden wären, dürften pro Angriff ein oder zwei Piloten ausreichend gewesen sein, um die Drohnen eine nach der anderen ins Ziel zu steuern.