War jüdischer Widerstand die Ausnahme? Wie mutig sich Jüdinnen und Juden gegen die Nazis gewehrt haben, zeigen neue Forschungen. Als Daisy Gronowski am 10. November 1938 die Hausglocke hört, macht sie sich auf in den Versammlungsraum. Unten angekommen trifft die 17-Jährige aber nicht nur andere jüdische Jugendliche. Da sind auch die Nazis von der SA, die in den Raum eingedrungen sind und nun damit beginnen, die Einrichtung systematisch zu zerstören, Stuhl um Stuhl, Tisch um Tisch. (…) Nach der Einrichtung sind die jüdischen Jugendlichen dran, entscheiden die SA-Männer. Sie bilden zwei Reihen und zwingen die Jungs und Mädchen, dazwischen zu laufen, während Stockschläge auf sie niederprasseln. Viele Jugendliche bluten aus ihren Wunden. Die Reihe kommt an Daisy Gronowski. Sie erinnerte sich: „Zur Hölle, ich will da nicht rennen. Ich werde gehen. Da bin ich, gut 1,50 Meter groß, ein schlankes kleines Mädchen.“ Sie sei langsam an den Reihen vorbeigelaufen und habe jedem SA-Mann ins Gesicht geschaut. Am Ende der Reihe greift sie ein Nazi an. Er verletzt ihre rechte Hand mit einem Messer. Dann geschieht etwas, mit dem die SA nicht gerechnet hat: Daisy wehrt sich. Sie greift die Beine des SA-Manns, rammt ihren Kopf gegen seinen Magen, so wie sie es im Selbstverteidigungskurs gelernt hat, ringt ihm das Messer ab und rammt die Klinge in seinen Körper. Der Angreifer lässt von ihr ab und wird ohnmächtig.
via taz: Jüdischer Widerstand gegen die Nazis Das Mädchen, der SA-Mann und das Messer