Überall gibt es Memes im Stil des japanischen Animationsstudios. Auch im politischen Kulturkampf findet er Verwendung – und erfüllt dabei einen ganz bestimmten Zweck. Die Animationsfilme des japanischen Studio Ghibli prägten Generationen von Filmbegeisterten. Ihre Ästhetik ist unverkennbar und weltbekannt. Seit dem neusten ChatGPT-Update ist der Studio-Ghibli-Stil überall im Netz zu sehen. Die neuste Version der Künstlichen Intelligenz kann nämlich nicht nur Bilder auf Grundlage eines Prompts in Animationen im Stile des japanischen Studios generieren, sondern auch echte Fotos umwandeln. Es ist ein weltweites Meme, das auch im politischen Kulturkampf Verwendung findet. Besonders Politiker und Aktivisten aus dem rechten Lager entdecken gerade den Studio-Ghibli-Stil, um Memes von sich in sozialen Netzwerken zu posten. Martin Sellner beispielsweise, Kopf der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, veröffentlichte ein animiertes Porträt von sich im Anzug. Auch die niedersächsische AfD-Landtagsabgeordnete Vanessa Behrendt postete eine Animation, die sie als Studio-Ghibli-Figur zeigt. Ebenfalls findet man Protestmärsche der Identitären Bewegung mitsamt „Remigrations“-Bannern im harmlosen Ghibli-Stil. Das Studio Ghibli hingegen ist alles andere als rechts. Gegründet wurde das Zeichentrickfilmstudio 1985 in Japan. Die beiden Animatoren Hayao Miyazaki und Isao Takahata waren die prägenden Köpfe des Studios und Marxisten. Während sich Miyazaki in den 90ern zunehmend davon distanzierte, blieb Takahata bis zu seinem Tod im Jahr 2018 bekennender Marxist. Und auch die Geschichten, die das Studio Ghibli erzählt, haben mit einem völkischen Weltbild recht wenig zu tun. Sie spielen in bunten, facettenreichen Welten mit melancholischen, oft traumatisierten Hauptfiguren. In den Filmen von Studio Ghibli gibt es keine heroischen Heldengeschichten, dafür klare politische Statements. „Ich bin lieber Schwein als Faschist“, sagt die anthropomorphe Hauptfigur in Miyazakis Klassiker „Porco Rosso“, ein Film über ein Schwein, das im Italien der 20er-Jahre als Pilot auf Kopfgeldjagd geht.
via berliner zeitung Studio Ghibli goes Remigration: Warum nutzt die rechte Szene plötzlich süße Anime-Bilder?