In einigen Urlaubsregionen Ostdeutschlands hat die AfD bei der Wahl rund die Hälfte der Stimmen bekommen. Nun fragt sich mancher, ob er dort noch seine Ferien verbringen will. Gebucht wird erst mal trotzdem. Blau wie die Ostsee flackerten am Abend der Bundestagswahl die Ergebnisse der AfD in vielen Urlaubsregionen Ostdeutschlands über die Bildschirme. Im Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge stimmten 46,5 Prozent für die in weiten Teilen rechtsextreme Partei, in Bergen auf Rügen waren es 48,6 Prozent der Wähler. Mehr als doppelt so viele wie im Bundesschnitt. Nur Tage später berichten unter anderem der MDR  und die »Ostsee-Zeitung « über mögliche Folgen des Wahlergebnisses für den Tourismus. Ein Hotelier von der Insel Usedom sagte der Zeitung, Gäste hätten angekündigt, ihren geplanten Urlaub abzusagen. Der Berliner »Tagesspiegel « wiederum zitierte eine Leserin: »Unter mehrheitlich rechtsradikaler Einstellung fühle ich mich nicht wohl.« Überhaupt scheint sich so mancher zu fragen, ob er dort noch seine Ferien verbringen sollte. Ist das AfD-Ergebnis also ein Kipppunkt für den Tourismus in Ostdeutschland? Lars Schwarz ist Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern und CDU-Mitglied. Er äußert sich öffentlich nur vorsichtig. »Rückenwind ist so was nie, wir leben in sehr herausfordernden Zeiten«, sagt Schwarz zu den Folgen des Wahlergebnisses insgesamt für seine Branche. Er leitet selbst ein Hotel und ist Arbeitgeberpräsident seines Bundeslandes. »Das beschäftigt uns. Wir sind Arbeitgeber, wir sind dafür verantwortlich, wie sich unsere Region positiv entwickelt.« Trotz einzelner Stornierungen: Von massenhaften Absagen oder einem Einbruch bei den Buchungszahlen will man in Mecklenburg-Vorpommern nichts wissen. »Die Verbindung zwischen politischem Wahlverhalten und Reiseverhalten ist üblicherweise nur marginal«, sagt Tobias Woitendorf, Chef des Tourismusverbands in Mecklenburg-Vorpommern. »Menschen machen ihren Italien-Aufenthalt auch nicht von der Wahl Giorgia Melonis abhängig.« Er ist sich sicher: »Ich würde nicht von einer Stornierungswelle sprechen und würde fast wetten, dass wir die nicht erleben.«

via spiegel: Schadet die AfD dem Ostsee-Tourismus? Baden in der blauen Welle