Elon Musk wirbt in der „Welt“ für die AfD und verharmlost ihren Extremismus. Kritik daran nennt die Redaktion „Meinungsfreiheit“ – doch Journalismus muss abwägen, was die Debatte wirklich voranbringt. Stattdessen: Aufmerksamkeit um jeden Preis. Ein Tiefpunkt journalistischer Verantwortung. Die Öffentlichkeit in einer Demokratie hält viel aus, auch die Meinungen eines Tech-Milliardärs wie Elon Musk. Etwas auszuhalten schließt Kritik nicht aus: Musks Beitrag in der „Welt am Sonntag“, die dem US-Oligarchen gestattete, für die AfD zu werben, ist intellektuell und politisch armselig. Musk raunt von einem „Zusammenbruch“ Deutschlands, sieht die Rettung in der AfD und spielt deren Extremismus auf bizarre Weise herunter (Alice Weidel habe eine Partnerin aus Sri Lanka). Natürlich darf eine Zeitung ihren Platz für so etwas hergeben, muss und sollte es aber nicht. Der Trump- und AfD-Fan Elon Musk verfügt durch seine eigene Internet-Plattform X längst über mehr mediale Macht, als einer intakten Demokratie guttut. Von seiner wirtschaftlichen und politischen Macht ganz zu schweigen. Offenbar ignoriert oder verachtet Elon Musk kritische, etablierte Medien; die seriöse New York Times bezeichnete er unlängst als irrelevant. Musk: Statt hartem Interview freier Platz für Eingriff in den deutschen Wahlkampf Dass der künftige US-Präsident Donald Trump Journalisten als „Feinde des Volkes“ beschimpft, scheint Musk nicht zu stören. Für ihn zählen wohl nur noch X und rechte „Alternativmedien“. Wenn die etablierte „Weld“, wie Musk die deutsche Zeitung irrtümlich bezeichnet hat, den Unternehmer um einen eigenen Beitrag bittet, in dem er sich ungestört äußern darf, lässt er sich diese Gelegenheit allerdings nicht nehmen. Statt Musk hart zu interviewen und ihn mit Belegen für den völkischen Wahn und die außenpolitische Zwielichtigkeit der AfD zu konfrontieren, hat die Zeitung ihm freien Platz gegeben für einen ruchlosen Eingriff in den deutschen Wahlkampf. Gibt es eigentlich irgendjemanden in der Redaktion der „Welt“, der die Argumentation von Musk überzeugend und stichhaltig findet? Falls nicht: Warum hat man sie trotzdem veröffentlicht – und damit offenbar viele eigene Journalistinnen und Journalisten düpiert? Die Chefin des Meinungsressorts reichte sogar ihre Kündigung ein.
via focus: Devot, falsch, gefährlich: Warum Musks AfD-Werbung nie erscheinen hätte dürfen
siehe auch: Wahlaufruf für die AfD Musk als Ausgeburt an Oberflächlichkeit und Desinteresse . Der Tesla-Gründer schreibt für die “Welt” einen Gastbeitrag, der so nie hätte erscheinen dürfen. Nun ist er es aber: Den Offenbarungseid sollte jeder lesen, um (endgültig) zu verstehen, was für Leute Donald Trump um sich schart und wie es sich in einer Alternative-Fakten-Blase lebt. Die Zeitung “Welt” ist gelebtes Dilemma. Sie distanziert sich permanent klar von der AfD. Zugleich schreibt sie ständig und ohne Scheuklappen über sämtliche Felder, die von der ultrarechten Partei befeuert und genutzt werden, Ängste in der Bevölkerung zu schüren und Deutschlands Niedergang zu beklagen. Ein Blick in die – immer wieder für Brechreiz sorgenden – Leserkommentare lässt den Schluss zu, dass glühende AfD-Anhänger einen erheblichen Teil der Abonnenten ausmachen, also für die Finanzierung der Redaktion von beträchtlicher Bedeutung sind. Das will irgendwie bedient werden (…) Wie weit sollte eine Redaktion gehen? Und heißt Meinungsfreiheit, alles in die Welt hinaus blöken zu müssen, was einem durch den Kopf geht. Wie im Fall von Elon Musk, den die “Welt” – unterstützt von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner – zu einem Gastbeitrag einlud, der niemals so hätte erscheinen dürfen. Schlimm ist nicht, dass die Zeitung dem engen Vertrauten von Donald Trump die Möglichkeit gab, seine Sicht auf Deutschland und die AfD darzustellen. Der Skandal ist, dass Musk blanke Wahlwerbung für die AfD betreiben konnte, ohne jegliche Argumente anzuführen, Fakten abzuwägen und sich schlau zu machen. Was dominiert, ist das, was wir von Trump kennen: Bauchgefühl.
