Ein Arzt und ein Psychologe von Ärzte ohne Grenzen erzählen vom Alltag mit Patienten, die erst vor kurzem aus syrischen Gefängnissen freikamen. Ein Baum. Eine Straße. Ein Vogel. Es sind Dinge und Bilder, die im Leben eines Kindes eigentlich oft präsent sind. Doch der achtjährige Bub, der kürzlich im Salqin-Spital in Idlib zur Behandlung eingeliefert wurde, kann sich darunter überhaupt nichts vorstellen. Bis auf die ersten drei Monate hat er sein ganzes Leben hinter Gittern verbracht, im berüchtigten Saidnaya-Gefängnis nördlich der syrischen Hauptstadt Damaskus, auch bekannt als “Schlachthaus”. Er und seine Mutter, die damals 19 Jahre alt war, kamen im Jahr 2016 in das Militärgefängnis. “Er weiß nicht, wie man liest oder schreibt”, erzählt Omar al-Omar, Mental Health Supervisor bei Ärzte ohne Grenzen (MSF), in einer Audionachricht. “Er kennt weder seine Familie noch seinen Vater. Er musste mitansehen, wie seine Mutter körperlich und sexuell misshandelt wurde.” (…) Mehr als 100.000 Menschen sollen sich in den Lagern des Regimes von Bashar al-Assad befunden haben. Viele der in den letzten Tagen und Wochen freigelassenen Opfer berichteten von schwerer Folter und unmenschlichen Bedingungen. In Assads Gefängnissen kamen auch Foltermethoden zum Einsatz, die von Nationalsozialisten und der Stasi mitentwickelt wurden. Fotos aus den Kerkern zeigen abgemagerte Leichen, verstümmelt, verbrannt, verätzt. Einigen fehlen Gliedmaßen oder Augen.
via standard: ASSAD-REGIME Achtjähriger aus syrischem Foltergefängnis kennt weder Baum noch Straße oder Vögel

By Sednaya – https://stj-sy.org/en/concerns-over-possible-arbitrary-executions-against-prisoners-in-as-suwayda/, CC BY-SA 4.0, Link