Der Polizeichef des Südstaatenortes Lexington prahlte, wie viele Menschen er schon erschossen habe. Als das Justizministerium sein Revier genauer untersuchte, stießen die Ermittler offenbar auf Machtmissbrauch und Rassismus. Lexington ist eine kleine Gemeinde, mitten in Mississippi. Etwas mehr als 1600 Menschen wohnen dort, rund zwei Drittel sind afroamerikanischer Abstammung. Nachdem im vergangenen Jahr der Polizeichef wegen rassistischer Beleidigungen gehen musste, ermittelte das US-Justizministerium. Jetzt ist der Bericht da, die Ergebnisse sind erschütternd. Wie das US-Justizministerium mitteilte, habe man eine Reihe von Bürgerrechtsverletzungen der Kleinstadt festgestellt. Den Polizisten wird vorgeworfen, routinemäßig übermäßige Gewalt anzuwenden und Personen zu verhaften, die Bußgelder für geringfügige Verkehrsverstöße zahlen müssen. Die Abteilung für Bürgerrechte des Ministeriums berichtete, dass Schwarze in Lexington, Mississippi, unverhältnismäßig oft Zielscheibe aggressiven polizeilichen Handelns waren. Das Vorgehen der Polizei sei zum Teil auf »vorsätzliche Diskriminierung« zurückzuführen. (…) Die Untersuchung begann im vergangenen Jahr. Damals war der frühere Polizeichef Sam Dobbins entlassen worden. Eine Aufnahme war aufgetaucht, auf der Dobbins eine rassistische Beleidigung benutzte und damit prahlte, 119 Mal auf jemanden geschossen zu haben. Im Dienst habe er schon 13 Menschen erschossen, so der Bericht des Justizministeriums. Lokalen Medienberichten zufolge hatte Dobbins zuvor bestritten, die Beleidigung verwendet zu haben. (…) Der Bericht aus Lexington, Mississippi, konzentriert sich auf das, was Justizbeamtin Clarke als »krudes Polizeiarbeit-für-Profit-Schema« bezeichnet. Dabei hängt das Budget einer Polizeidienststelle von den Einnahmen ab, die sie durch die Strafverfolgung erzielt. Überspitzt heißt das: Je mehr Strafzettel die Polizisten verteilen, desto eher lässt sich das Revier im kommenden Jahr renovieren. Die Polizei in Lexington verhaftet routinemäßig Menschen wegen geringfügiger Vergehen wie Verkehrsdelikten. Dann hält sie sie so lange im Gefängnis fest, bis sie zahlen, so das Justizministerium. Ein Mann verbrachte zwölf Tage im Gefängnis, weil er Zuckerpäckchen gestohlen hatte, heißt es in dem Bericht. Das Justizministerium stellte fest, dass die Einnahmen der Polizeibehörde aus Bußgeldern und Gebühren in den vergangenen Jahren um das Siebenfache gestiegen sind.
via spiegel: Bericht des US-Justizministeriums In Mississippi terrorisiert die Polizei schwarze Bürger