Auf einer Veranstaltung des Handwerksverbands waren auch AfD-Bundestagsabgeordnete eingeladen. Vor einem Jahr sorgte ein ähnlicher Fall beim Verband der Familienunternehmer für einen Eklat. Und jetzt? Ungewohnter Anblick auf dem „Abend der Begegnung“ des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks am vergangenen Donnerstag: Teilnehmerangaben zufolge waren nicht nur Verbandsmitglieder und Politiker von CDU bis Linke erschienen, sondern auch etwa zehn AfD-Abgeordnete – darunter MV-Spitzenkandidat Leif-Eric Holm und Malte Kaufmann, Obmann der AfD im Wirtschaftsausschuss. Sie hätten sich sichtbar wohlgefühlt, seien aber weitgehend unter sich geblieben. Auf Tagesspiegel-Anfrage teilt der Zentralverband des Deutschen Handwerks mit: „Bei Einladungen zu Veranstaltungen, die sich an die Gesamtheit des Deutschen Bundestages richten, etwa beim Parlamentarischen Abend, wird grundsätzlich nicht nach Parteizugehörigkeit unterschieden.“ Diese Verfahrensweise sei im politischen Berlin üblich. Das stimmt allerdings nur bedingt. Einige Organisationen, die eine besondere Neutralitätspflicht haben, etwa der öffentlich-rechtliche Rundfunk, begrüßen tatsächlich auch AfD-Abgeordnete bei ihren Veranstaltungen. Viele Verbände aber tun das bisher nicht. Als der Verband der Familienunternehmer vergangenes Jahr AfD-Abgeordnete zu einem parlamentarischen Abend einlud und das bisherige „Kontaktverbot“ öffentlich für aufgehoben erklärte, war ein öffentlicher Aufschrei die Folge. Präsidentin Christine Ostermann sagte später, man habe einen Fehler gemacht. Die Unternehmen Rossmann, Vorwerk und Fritz-Kola waren zuvor aus Protest aus dem Verband ausgetreten. Zur Wahrheit gehört aber auch: Allein steht der Zentralverband des Deutschen Handwerks mit seiner Position nicht. Auch die Handwerkskammer Berlin und die IHK Berlin geben auf Anfrage an, in der Vergangenheit bereits AfD-Politiker zu Veranstaltungen eingeladen zu haben. Bei Veranstaltungen des Deutschen Bauernverbands waren ebenfalls schon AfD-Politiker eingeladen.

via tagesspiegel: AfD‑Politiker auf Veranstaltung des Handwerksverbands: Steht die Brandmauer der Verbände?


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