Der Schriftsteller Lukas Rietzschel über AfD, Existenzängste eines Kreativen, Vereinzelung, die SPD, Schutz vor Zynismus und seinen Roman „Sanditz“. (…) Ich halte grundsätzlich nichts von dem Narrativ, eine Partei erst mal regieren zu lassen. Dafür sind die Kollateralschäden zu hoch, Demokratie ist kein Planspiel. Andererseits haben wir nicht umsonst eine Gewaltenteilung, und die Möglichkeit von Machtwechseln erachte ich als den wichtigsten Bestandteil dieser Demokratie. Das würde bedeuten, dass die AfD in Sachsen-Anhalt dann auch den Ministerpräsidenten stellen können muss. In der Konsequenz: ja. Aber ich will hier nicht falsch verstanden werden. Das ist eine denkfaule, arbeitsscheue Partei, die im Kern viele Nationalisten und Rechtsextremisten vereint, die noch dazu zu einer großen Korruption und Selbstbedienungsfähigkeit neigen. Und ich finde es wahnsinnig gefährlich, dass Parteien im Grunde genommen bis zur Selbstaufgabe einfach nur aufrufen, „die Demokratie“ zu wählen und dann dabei zusehen, wie sie selbst am Wahlabend einfach nicht über die Fünf-Prozent-Hürde kommen. Nervt es Sie eigentlich, dass vorwiegend nur über die AfD-Wähler gesprochen wird und nicht über die Mehrheit, die nicht AfD wählt? Ja. Es gibt ohnehin eine ganz eigenartige Zuwendung zu den Wählern dieser Partei, von denen man glaubt, sie „zurückgewinnen zu können“. Seltsame Worthülse, finden Sie nicht? Ein Grundübel steckt in der Annahme, dass die Wahl dieser Partei eine antidemokratische Grundhaltung zum Ausdruck bringen würde. Ich halte das für fragwürdig.
via taz Sächsischer Autor vor den Landtagswahlen „Die AfD ist eine denkfaule und arbeitsscheue Partei“
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