Eine betagte Antonow und ein Schulflugzeug aus der Sowjetunion sind aktuell eine der wirksamsten Antworten der Ukraine auf russische Drohnenwellen. So gut wie jede Nacht fliegen russische Shahed-Drohnen über die Ukraine. Hunderte dieser unbemannten Flugkörper, ausgestattet mit Sprengköpfen zwischen 50 und 100 Kilogramm, ziehen in Wellen über das Land. Die Antwort der Ukraine darauf ist technologisch aufwendig: Patriot-Systeme, NASAMS, elektronische Störsender. Doch ausgerechnet einige der wirksamsten Abwehrmaßnahmen stammen nicht aus modernen Waffenschmieden, sondern aus einer anderen Epoche – aus der Sowjetunion der 1960er und 1970er Jahre. Was auf den ersten Blick nach einer Verlegenheitslösung aussieht, erweist sich bei näherer Betrachtung als durchdachte Antwort auf die ökonomische Logik des Drohnenkrieges. Die M134‑Minigun wird vom ukrainischen Militär zur Jagd auf russische Drohnen verwendet (Symbolbild). © IMAGO / Pond5 Images Das Prinzip dahinter ist bestechend einfach: Wenn ein Angreifer Drohnen für rund 35.000 US-Dollar das Stück in die Luft schickt, ist der Einsatz einer Patriot-Rakete für vier Millionen Dollar wirtschaftlich auf Dauer nicht tragbar. Die Ukraine hat daraus eine Doktrin entwickelt, die auf kostengünstigen, anpassungsfähigen Plattformen basiert – und dabei auf Flugzeuge zurückgreift, die längst als veraltet galten. „Antonow An-28“: Das ukrainische Mutterschiff über dem Frontgebiet Im Zentrum dieser Strategie steht die Antonow An-28 – ein zweimotoriges Turboprop-Flugzeug mit Nato-Codename „Cash“, das seinen Erstflug bereits in den 1960er Jahren absolvierte und ursprünglich für den zivilen Kurzstreckenverkehr konzipiert wurde. Für 17 Passagiere gebaut, robust konstruiert, bekannt für außergewöhnlich kurze Start- und Landestrecken. Die Maschine kann auf behelfsmäßig angelegten Pisten nahe der Front operieren und erreicht eine Reisegeschwindigkeit von rund 335 km/h, was sie schnell genug macht, um herannahende Drohnen abzufangen. Die ukrainischen Streitkräfte haben die An-28 in zwei Richtungen weiterentwickelt. In einer ersten Konfiguration wurde im seitlich gelegenen Türrahmen eine M134‑Minigun installiert – eine sechsläufige Gatling-Kanone im Kaliber 7,62 mm, die bis zu 6.000 Schuss pro Minute feuert und ursprünglich für US-amerikanische Kampfhubschrauber entwickelt wurde. Videos in sozialen Netzwerken zeigen Besatzungen, die nachts mit Infrarotkameras und Nachtsichtgeräten auf Shaheds Jagd machen. Eine einzelne Crew soll auf diese Weise laut dem Fachmagazin „The Warzone“ bereits fast 150 Abschüsse erzielt haben. Die Hochdecker-Bauweise der Antonow verschafft dem Schützen dabei eine nahezu freie Schussbahn. NATO-Mission zur Ostflanke hautnah: Reporter an Bord einer AWACS-Maschine Fotostrecke ansehen In einer zweiten, jüngeren Konfiguration wurde die An-28 zum fliegenden Träger für Abfangdrohnen umgebaut. Unter den Tragflächen wurden Pylone installiert, die kleine, flinke Quadcopter aufnehmen können. Diese Drohnen sind für wenige tausend Euro herzustellen und verfügen in vielen Ausführungen über keinen eigenen Sprengkopf: Sie rammen ihr Ziel und bringen es so zum Absturz. Ein Start aus der Luft erhöht dabei Reichweite und Abfanggeschwindigkeit erheblich, da die Drohne bereits mit der Geschwindigkeit und Höhe des Trägerflugzeugs startet.
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