Der langjährige Parteisprecher Lüth sprach über die Möglichkeit des Erschießens oder Vergasens von Migranten – und wurde fristlos entlassen. Mittlerweile arbeitet er wieder für mehrere AfD-Abgeordnete. Wie kann das sein? Äußerlich hat er sich nicht viel verändert. Der ehemalige AfD-Pressesprecher Christian Lüth trägt immer noch Anzug, hat die Haare immer noch straff nach rechts hinten gekämmt. Man begegnet ihm seit einiger Zeit wieder im Regierungsviertel. Denn Lüth arbeitet wieder im Bundestag – inzwischen sogar für mehrere AfD-Abgeordnete.Bei einem Treffen berichtet er: Seit rund zwei Jahren arbeite er als wissenschaftlicher Referent im Bundestag. Das ist deswegen bemerkenswert, weil Lüth vor sechs Jahren für einen der größten AfD-Parteiskandale gesorgt hat. Er sprach davon, dass man Migranten ins Land lassen und “nachher immer noch alle erschießen (…) oder vergasen” könne. Ein Kamerateam des TV Senders Pro7 filmte heimlich mit. Lüth sagte auch den Satz: “Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD.”Ein Skandal sondergleichen. Die AfD kündigte ihm. “Abscheulich und nicht entschuldbar” nannte Lüth selbst damals seine Äußerungen. Heute sagt er, man habe ihm “in einem privaten Gespräch eine Falle gestellt”, seine “ironischen Aussagen von damals” habe er sofort zurückgenommen und sich entschuldigt, “da sie nicht meiner Gesinnung entsprechen”. Nach seinem Rauswurf zog er einen Zigarrenhandel hoch, den er eigener Aussage nach weiter betreibt.Mitarbeiter von Jan Wenzel Schmidt – und anderenLüth ist seit geraumer Zeit zurück im Bundestag. Er arbeitet für den Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt. Der Schmidt, der gerade in seinem Landesverband Sachsen-Anhalt in eine Schlammschlacht verwickelt ist, den der Landesvorstand aus der Partei werfen will, der gedroht hat, Verfehlungen von Landesvorstandsmitgliedern öffentlich zu machen.Doch Lüth arbeitet auch mittlerweile noch für weitere Abgeordnete. Einer von ihnen ist Reinhard Mixl aus Bayern. Er bestätigt am Telefon, dass Christian Lüth seit dem 1. Dezember 2025 auf geringfügiger Basis Pressearbeit für ihn mache. Er sei ihm empfohlen worden. Lüths Expertise habe ihn überzeugt, über dessen damaligen Aussagen habe er nicht Bescheid gewusst, beteuert Mixl. Es gibt viele AfD-Fraktionsmitglieder, die an Lüths schleichender Rückkehr Anstoß nehmen, für die der ehemalige Pressesprecher ein rotes Tuch ist. In der Öffentlichkeit äußern wollen sie sich aber nicht. Einer nennt Lüth einen Skandaltyp. Es gehe doch nicht, dass so jemand im Auftrag der AfD wieder über die Bundestagsflure streife. Überhaupt: Im Büro von Jan Wenzel Schmidt sei doch kaum ein Mitarbeiter NICHT vorbestraft.Gemeint ist damit, dass auch der Rechtsextremist Mario Müller für Jan Wenzel Schmidt arbeitet. Ein anderes Fraktionsmitglied vermutet, Schmidt habe besonders an Lüths Pressekontakten Interesse gehabt – um in der schwelenden Auseinandersetzung Journalisten leichter belastendes Material zuspielen zu können.Tatsächlich hat Christian Lüth immer noch viele Kontakte in und außerhalb der AfD. Er hat nicht nur die AfD-Bundesgeschäftsstelle mit aufgebaut und war jahrelang ein Vertrauter von Alexander Gauland. Er war auch Pressesprecher der Partei und der Fraktion.Einen “umtriebigen und wirkungsvollen Akteur” nennt ihn Professor Wolfgang Schröder von der Uni Kassel, einer der AfD-Experten in Deutschland.

via tagesschau: Ehemaliger AfD-Sprecher Lüth Nach Skandal gefeuert – und zurück im Bundestag

FCK AfD