Der Grünen-Politiker Sebastian Striegel ist auf dem Messegelände in Halle angegriffen und verletzt worden. Die Polizei ermittelt gegen einen 38-Jährigen. Dabei soll es sich um einen bekannten Rechtsextremisten aus Sachsen-Anhalt handeln. Zu der Attacke kam es am Samstag während einer Demo gegen die umstrittene Buchmesse “Seitenwechsel”. Die Vorsitzende der Grünen-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt hat den Angriff verurteilt. Am Rande der Buchmesse “Seitenwechsel” auf dem Messegelände in Halle (Saale) ist es am Samstag zu einem tätlichen Angriff auf den Landtagsabgeordneten Sebastian Striegel (Bündnis 90/Die Grünen) gekommen. Er soll nach Informationen von MDR INVESTIGATIV einen Faustschlag gegen die Brust erhalten haben. Seit Samstag läuft auf dem Messegelände in Halle eine Veranstaltung mit dem Namen “Seitenwechsel”. Als Aussteller haben sich mehrere Verlage angekündigt, die der Neuen Rechten zuzuordnen sind. Auf einer Gegenveranstaltung kam es dann zu dem Angriff. Rechte Akteure gingen offenbar bewusst in Gegenprotest Nach Informationen von MDR INVESTIGATIV gingen rechte Akteure gezielt in den Gegenprotest. Auch die in der rechten Szene populäre Streamerin Michelle Gollan, besser bekannt als “eingollan”, war unter diesen Personen. Ihr Begleiter soll die Nerven verloren und Sebastian Striegel attackiert haben. MDR gegenüber schildert Striegel das Geschehen so: “Ich war dabei, Fotos zu machen, als mich ein Mann plötzlich mit der Faust gegen den Brustkorb schlug.” Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um Dennis #Wesemann handeln. MDR INVESTIGATIV wurde ein Foto zugespielt, das Wesemann kurz vor dem Angriff zeigen soll.

via mdr: FAUSTSCHLAG GEGEN DIE BRUST Grünen-Politiker bei Demo gegen rechte Buchmesse in Halle angegriffen

sieeh auch: Nietzsche, Nius und Neonazis: Eine Buchmesse in Halle wird zum Schaulaufen der Rechten Kampferprobte Neonazis, selbsterklärte Rechtsintellektuelle, AfD-Politiker und ganz normale Wutbürger: Auf der Buchmesse „Seitenwechsel“ in Halle an der Saale kam das gesammelte Rechtsaußen-Spektrum zusammen. (…) Die laut Veranstaltern „vielfältige und farbenfrohe Buchmesse“ vereinte das gesamte Spektrum der extremen Rechten – von der AfD-nahen Identitären Bewegung und ihr nahestehenden Verlagen bis hin zu Publikationen aus dem Umfeld der ehemaligen NPD (jetzt „Die Heimat“).  Ein Wimmelbild der radikalen Rechten Keine Splittergruppe war zu abseitig, um nicht doch mit einem Stand vertreten zu sein – als hätte Hieronymus Bosch ein Wimmelbild der extremen Rechten gemalt. (…) Die Seitenwechsel-Buchmesse wird von der Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen und ihrem Buchhaus Loschwitz organisiert. Die 53-Jährige ist kulturpolitische Sprecherin der Dresdner Stadtratsfraktion der AfD, zuvor war sie Mitglied der Freien Wähler. 2018 saß sie zwischenzeitlich im Kuratorium der AfD-nahen Desiderius-Erasmus-Stiftung.  Der „Berliner Zeitung“ sagte Dagen im Oktober, die Idee zur Buchmesse sei entstanden, weil „die Zeiten für Verlage immer schwieriger werden – insbesondere für solche, die man als konservativ, rechts oder freiheitlich ambitioniert einordnet“. In einem weiteren Gespräch verwies sie auf die Frankfurter Buchmesse, bei der einschlägige rechtsextreme Verlage seit mehreren Jahren nicht mehr willkommen sind. Der Verlag des AfD-nahen Publizisten Götz Kubitschek wurde nach Protesten 2017 von der Frankfurter Buchmesse ausgeladen. Im Vorfeld der Messe sorgte die angekündigte Teilnahme des Dortmunder Sturmzeichen-Verlags für Kritik. Dessen zentrale Publikation trägt den programmatischen Titel „N.S. Heute“, auch Schriften der verstorbenen Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck wurden dort vertrieben. Nach der Berichterstattung erklärte die Messeleitung jedoch, der Verlag habe „zu keiner Zeit eine Zulassung“ gehabt – der Name sei „durch eine unzulässige Datenmanipulation“ ins Verzeichnis geraten. Kein Abstand zu Neonazis Die offene Neonazi-Szene war nichtsdestoweniger präsent: Die Chemnitzer Firma SVM Sächsische Versand und Medien UG, Herausgeberin des Magazins „Aufgewacht!“ der rechtsextremen Kleinstpartei Freie Sachsen, war offiziell vertreten. Am Stand zugegen war der langjährige Neonazi-Kader Michael Brück; daneben hing ein Plakat für einen „Netzwerktag“ der Szene. „Aufgewacht!“ fusionierte erst kürzlich mit der einstigen NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“. Ebenfalls auf der Buchmesse: Alexander Deptolla. Als Freund der Poesie trat der Neonazi aus Dortmund bislang nicht in Erscheinung, dafür aber als Organisator des Kampfsport-Events „Kampf der Nibelungen“. Die bei weitem sichtbarste Partei auf der Buchmesse war die AfD. Unter den Gästen: Hans-Thomas Tillschneider, stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Landtag von Sachsen-Anhalt. Die Europaabgeordnete Irmhild Boßdorf betreute den Stand von „Europe of Sovereign Nations“, einer Fraktionsgruppe im Europaparlament. AfD-Ehrenvorsitzender Alexander Gauland nahm an einer Podiumsdiskussion teil. Bundestagsabgeordneter Matthias Helferich, der sich einmal als „freundliches Gesicht des NS“ bezeichnete, zeigte sich am Stand des rechtsextremen Verlags Jungeuropa und lächelte – freundlich – in die Kameras. Helferich wurde zwar aus der AfD ausgeschlossen, ist aber weiterhin Teil der Bundestagsfraktion. Rechtsextreme sammeln Spenden auf der Buchmesse Auch ehemalige Mitglieder der inzwischen aufgelösten AfD-Jugendorganisation Junge Alternative waren präsent. Dazu traten zahlreiche Burschenschafter auf, erkennbar an ihren Bändern und Farbenabzeichen. Die Identitäre Bewegung unterhielt einen eigenen Stand und warb offen um Spenden – auf einem Flyer empfohlen wurden Beträge zwischen 10 und 150 Euro, darüber der Slogan: „Komm in den Widerstand“. In derselben Messehalle präsentierten sich auch Verlage, Medien und Personen, die betonen, keinesfalls rechtsextrem, sondern bürgerlich und konservativ zu sein. Auf der großen Bühne diskutierten die Fürstin Gloria von Thurn und Taxis sowie der Journalist Alexander Kissler (früher „NZZ“, inzwischen „Nius“). Am Sonntag hielt der ehemalige Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen, einen Vortrag. Am Samstag sprach Ralf Schuler, der Politikchef von „Nius“, dem Krawall-Portal des ehemaligen „Bild“-Chefredakteurs Julian Reichelt. Auch das Portal „Tichys Einblick“, ein rechtes Onlinemedium des früheren „Focus“-Journalisten Roland Tichy, war vertreten. Tichy in Rage Thurn und Taxis zeigte sich offen mit dem kremltreuen Rechtsaußen-Blatt „Compact“. Sie freue sich, auf dieser Messe „Gleichgesinnte“ zu treffen. „Deshalb bin ich auch zu ihnen gleich gekommen, weil ich sehr gerne ,Compact’ gucke“, so die nach Selbstverständnis konservative Fürstin im Gespräch mit dem zwischenzeitlich verbotenen Magazin; HALLE “Seitenwechsel”: So verliefen Buchmesse und Gegenveranstaltungen. Am Sonntagabend ist in Halle die “Seitenwechsel”-Büchermesse zu Ende gegangen. Sie wurde von Protesten begleitet. Denn die Messe bot nicht nur bekannten Konservativen eine Bühne wie dem Publizisten Matthias Matussek, Ex-Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen, Schriftsteller Uwe Tellkamp und Kabarettist Uwe Steimle. Es waren auch mehrere Rechtsextreme zu Gast. Deshalb fanden im Umfeld von “Seitenwechsel” Demonstrationen statt, bei denen die Polizei mehrere Straftaten registrierte. Das Gegenfestival “Wir” zog viele Menschen in Halles Innenstadt. (…) Mit ihrer Programmatik verfolgen die “Seitenwechsel”-Veranstalter laut David Begrich von der Arbeitsstelle Rechtsextremismus in Magdeburg das Ziel, rechtsextreme Inhalte salonfähig zu machen: “Der Charme für die Veranstalter besteht genau in dieser Mischung. Das Ziel ist ja, nicht nur unter sich zu bleiben.” Es gehe darum, einen Repräsentationsrahmen einer Messe zu haben, in dem sich “auf einem normalisierenden Niveau rechtsextreme Verlage präsentieren können”, so der Experte. Er glaubt, für die Organisatoren von “Seitenwechsel” sei die Messe ein Testlauf gewesen, um zu sehen, ob man mit so einer Veranstaltung einerseits die rechte Szene und gleichzeitig auch ein breites Publikum erreichen kann.

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