Kriminelle Rocker-Clubs wie die Hells Angels gelten hierzulande als unpolitisch. Eine gefährliche Verharmlosung, denn seit Jahrzehnten paktieren sie mit Neonazis. Kampfsportmilieu und Hooliganismus stellen wichtige Schnittstellen bei der Verjüngung und Radikalisierung dar, das zeigt ein Box-Sportevent in Niedersachsen. (…) Vor dem Clubhaus „West Side Place“ der Hells Angels war ein großer Boxring errichtet worden und über 150 überwiegend männliche Gäste in einschlägiger Rocker- und Kampfsportkleidung mit zahlreichen Tattoos tummelten sich neben teuren Autos und Bikes. Das „Charter“ West Side hatte zum „Open Air Boxing“ geladen und erschienen war das Who is who der Neonazi-Szene zwischen Delmenhorst und Bremen. Mit dabei auch der Dortmunder Alexander Deptolla, der inzwischen in Halberstadt lebt. Deptolla ist Organisator des berüchtigten „Kampf der Nibelungen“, dem größtem und mittlerweile verbotenen Kampfsport-Event der rechtsextremen Szene in Westeuropa. Er führte die gewaltbereite Kameradschaftsszene in Dortmund lange mit an und gilt laut MDR als einer von bundesweit 72 braunen „Gefährdern“. (…) Danny Gierden war Betreiber eines Kampfsportstudios im Landkreis Oldenburg. Von seinen rund 220 Kämpfern beteiligten sich einige am „Kampf der Nibelungen“. 2018 posierte er auf einem Foto mit dem aus der Region stammenden Identitären Mario Müller, den Gierden aber laut Nordwest-Zeitung gar nicht gekannt haben will. Die Lokalzeitung bezeichnet ihn als „angeblichen Nazi-Trainer“. Doch auch Gierden entstammt der Bremer Hooligan-Szene. „Zwei Brüder“ seien es gewesen, die sich „diese ganze Geschichte“ – also den Box-Event in Dünsen ausgedacht hätten, erklärte Hells-Angels-Wortführer Michael Wellering am Sonntag den zahlreichen Gästen. Einer der gemeinten „Brüder“ der Hells Angels ist Christoph Mohrmann aus Ganderkesee, der bei der rechtsradikalen Bremer Hooligangruppe „NSHB“ aktiv war. Fotos zeigen ihn mit Gierden. Mohrmann betreibt eine Security-Firma und bietet Krav-Maga-Kampfsportkurse an. Zu Beginn begrüßt Mohrmann einige Gäste, neben ihm stehen der Sänger der Rechtsrock-Band „Kategorie C“, Hannes Ostendorf, die Delmenhorster Rotlichtgröße und „Standarte“-Hooligan Stefan Ahrlich sowie „Django“ Triller, den bundesweiten Sprecher der Rocker-Gang
via endstation rechts: Hells Angels, Neonazis und ein Box-Event
